Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten metzner über unterschiedliche Menschenrechtsinterpretationen und einen SPD-Fraktionschef, der in der Wildnis lieber Fisch und Pute statt Rindersteak grillt

Thorsten metzner

Ministerpräsident Matthias Platzeck ist ein Russland-Liebhaber. Volker Beck, dem parlamentarischen Geschäftsführer der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, ging diese Liebe des Regierungschefs jetzt allerdings zu weit. Er nahm Anstoß daran, dass Platzeck laut Magazin „Park Avenue“ jüngst auf dem mondänen Wirtschaftsball in der russischen Botschaft das Putin-Reich gegen Kritik an Einschränkungen der Pressefreiheit verteidigte. Das Blatt zitierte Platzeck so: „Solange sich niemand über Menschenrechtsverletzungen der USA aufregt, halte ich die kritische Russlandhaltung für einseitig.“ Es gebe auch „ein Menschenrecht auf Essen, Kleidung, Sicherheit, das die russische Regierung gewährleistet“. In einem Brief an Platzeck zeigt sich Beck verwundert, dass dem früheren DDR-Bürgerrechtler und Ex-Bundesvorsitzenden der SPD „offenbar die Universalität der Menschenrechte entfallen“ sei. Der Bundestag habe zudem mehrfach US-Menschenrechtsverletzungen kritisiert, ob zur Todesstrafe oder zu Guantanamo. Der Brief endet sarkastisch mit dem russischen Wort für Freundschaft: „Druschba!“

Von seinen Genossen erhielt SPD-Fraktionschef Günter Baaske, jetzt 50 geworden, zum Geburtstag eine Sonderausgabe der Fraktionszeitung – mit Enthüllungen über „Hugo“ (sein Spitzname). So zeigt das Titelfoto, aufgenommen bei einer Paddeltour am anderen Ende der Welt, Baaske – gemeinsam mit Finanzminister Rainer Speer und dem Unternehmer Thilo Steinbach – als Abenteurer in der Wildnis: freier Oberkörper, ein Muskelpaket, in der Hand irgendein erlegtes Getier. „Hugo sieht kernig aus. Hugo ist kernig“, hat Steinbach, der Mitreisende, dazu gedichtet. „Am Grill aber ist er ein echtes Weichei. Kein Rindersteak, nur Pute und Fisch.“ Dafür mache Baaske beim Paddeln Strecke. „Am liebsten, wenn Speer und ich noch ratzen wollen. Dann will er schon weiter. Obwohl nirgends Frauen sind. Komischer Typ. Aber total gut.“ Vom Trainer der Frauenfußball-Mannschaft Turbine Potsdam, deren Präsident der für seine lockere Zunge bekannte Baaske ist, einen Rat mit auf den Weg: „Ab 50 muss man berechenbarer werden!“

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