Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner entdeckt brandenburgische Beiträge im Internet

Thorsten Metzner

Brandenburgs Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg ist ein gleichermaßen begeisterter wie kundiger Freizeithistoriker. So wirbt er bei vielen Gelegenheiten für einen offiziellen Gedenktag für das Hambacher Fest von 1832, das als Beginn der Demokratisierung in Deutschland gelten kann. Dort auch wurde die schwarz-rot-goldene Trikolore zum Symbol für das freie und einige Deutschland. Umso mehr ärgerte sich Rautenberg seit geraumer Zeit, dass in diversen Publikationen immer noch das Wartburgfest von 1817 als Ursprung von Schwarz- Rot-Gold genannt wird. Auf der Rückfahrt von einer Dienstreise nach Karlsruhe machte Brandenburgs Generalstaatsanwalt deshalb jetzt prompt einen Abstecher nach Eisenach, um sich vor Ort zu vergewissern. Und siehe da: Die Wartburg-Fahne sei „Rot-Schwarz-Rot mit goldenem Eichenlaub“ gewesen, berichtete er danach stolz – und trug es so ins Internetlexikon Wikipedia ein. Überhaupt findet Rautenberg, dass die schwarz-rot-goldene Bundesflagge häufiger als Symbol gegen Rechtsextremisten eingesetzt werden sollte, welche stattdessen den schwarz-weiß-roten Farben des Kaiserreiches huldigen.

Die Internetplattform des Brandenburger Landtages (www.landtag.brandenburg.de) gilt als nicht besonders originell. Wenn man aber versehentlich in der Adresse den Punkt durch einen Bindestrich ersetzt, kommt man auch zu einer Brandenburger Landtagshomepage – allerdings der etwas anderen Art: Interessant ist zum Beispiel der Hinweis auf die märkische „Panzerschule – für jedermann“ nahe Berlin. Zitat: „Lassen Sie einfach mal die Seele baumeln und machen einfach alles platt, was Ihnen in den Weg kommt“. Man kann aber auch auf die Rubrik „Drucksachen“ klicken: Dann öffnen sich Links wie „Hausbootcharter in der Müritz“ oder „Reisen zu Pferd“ im Havelland. Nun ja, und dann ist da auch noch der Pfad „Sitzverteilung“, von dem man zu „Extravaganza“, einem „Begleitservice der Luxus-Klasse“ geleitet wird. Dass diese auf der getürkten Landtagshomepage geschalteten Werbelinks etwas mit den Freizeitgewohnheiten märkischer Abgeordneter zu tun haben könnten, wird im Landtag kategorisch ausgeschlossen.

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