Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Krähen, die nun zum Abschuss freigegeben sind

Thorsten Metzner

Es gibt ewige Themen in Brandenburg: Dazu gehören die Krähen, die zum Leidwesen der märkischen Bauern auf den Feldern überhand nehmen. Die SPD-Fraktion, die darüber wieder einmal debattierte, sprach sich jetzt doch für eine „Bejagungsmöglichkeit“ aus. Im vorigen Jahr noch hatte Finanzminister Rainer Speer mit einem glühenden Plädoyer für Gottes Geschöpfe, den Krähen-Schießbefehl der Genossen noch verhindert – diesmal blieb er ruhig. Ministerpräsident Matthias Platzeck, selbst einst Umweltminister, raunte am Rande der Sitzung zwar launisch: Vieles erledige sich durch die Natur selbst, in seinem Garten jage die Katze etwa hinter den Krähen her. Aber auch er hatte keine Einwände. Jedenfalls war Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) am Ende hoch zufrieden, dass die Genossen fast einstimmig seinem Anliegen folgten: „Für Städter mag das alles lustig klingen: Auf dem Lande ist es ein ernstes Problem.“ Ob er, der bekanntlich den Jagdschein hat, selbst auf Krähenjagd gehen wird, ist bislang nicht bekannt.

Man sollte nie den Humor verlieren. Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) sorgte jetzt für Heiterkeit am Rande der Kabinettssitzung – mit einer Geschichte aus dem Leben jenseits von Politik. Er verriet dort die originellste Entschuldigung aus seiner Zeit als Schulleiter, bevor er 2004 Minister wurde. Eine Abiturientin war demnach eines Tages fast zwei Stunden zu spät zum Unterricht erschienen, so Rupprecht. Sie habe zu der Lehrerin gesagt. „Es tut mir wirklich leid. Mein Freund musste heute früh schon sehr zeitig weg: Er hat vergessen, mir die Handschellen abzunehmen.“ Von wegen, Brandenburgs Schüler seien nicht kreativ genug. Im Landtag, wo die Episode schnell die Runde machte, gab es insbesondere am Tisch einiger Christdemokratinnen prustendes Gelächter.

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