Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Lob aus Polen und merkwürdige Karrieren

Thorsten Metzner

Die Zeiten, als Brandenburgs Ruf wegen gescheiterter Großprojekte arg lädiert war, sind noch gar nicht lange her. Umso mehr konnten sich Potsdamer Offizielle wie Infrastrukturminister Reinhold Dellmann und der umtriebige Europastaatssekretär Gerd Harms (beide SPD) jetzt beim Empfang der Stadt Eberswalde in der Landesvertretung in den Ministergärten über Lob aus berufenem Munde freuen: Polens Botschaftsrat Tomasz Salomon verwies auf die im Lande selbst nicht unumstrittene Standortstudie der Zukunftsagentur (ZAB), die „10 gute Gründe“ für Brandenburg nennt, darunter günstige Löhne und die längsten Arbeitszeiten in Deutschland. Im Vergleich zwischen Polen und Brandenburg kam Tomasz zum Ergebnis, dass Brandenburg „bei fünf Punkten vorne liegt, Polen bei drei und bei zwei Punkten Gleichstand“ herrscht. Sein humorvoller Hinweis, dass Brandenburg auch in puncto Lebensqualität die Nase einen kleinen Tick vorn habe, darf man freilich auch als Höflichkeitskompliment eines echten Diplomaten verstehen.

Die Personalie sorgte für Verwunderung: Wolfgang Krüger, der Staatssekretär von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), wechselt jetzt auf den vakanten Posten des Hauptgeschäftsführers der Industrie- und Handelskammer Cottbus. Selbst seine Parteifreunde in Oberhavel, wo Krüger CDU-Kreischef ist, wurden von seinem Karrierewechsel überrascht. Merkwürdig, merkwürdig: Ein Jahr vor der Landtagswahl muss Junghanns jetzt einen neuen Staatssekretär berufen, der dann, wenn Rot-Schwarz durch Rot-Rot abgelöst werden sollte, in den gut dotierten Ruhestand versetzt würde. Oder sind es gar erste Absetzbewegungen in der großen Koalition vor der Wahl 2009? Suchte Krüger rechtzeitig einen neuen Job? In der Union winkt man zwar ab. Doch auch die dort gelieferten Erklärungen sind nicht sehr schmeichelhaft: Krüger sei zwar umtriebig und eloquent, „aber für Politik und Administration nicht so recht geschaffen“, heißt es. Und auch in der Staatskanzlei gilt das Wirtschaftsministerium schon länger administrativ nicht gerade als gut geführt. Man darf gespannt sein, wen Junghanns – avisiert ist der Juli – als Nachfolger präsentiert.

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