Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Eigenlob und Fremdtadel

Thorsten Metzner

Mit Erfolgen wie mit Flops ist es bekanntlich so eine Sache – es kommt immer auf die Perspektive an. Das haben Sozialministerin Dagmar Ziegler und Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) jetzt in einer gemeinsamen Pressemitteilung zum „6. Zukunftstag“ demonstriert, an dem sich Schüler bei Unternehmen und Hochschulen über Job-Perspektiven informieren können. In diesem Jahr hätten sich 548 Firmen mit 11 000 Schnupperangeboten beteiligt, „so viele wie noch nie“, jubelten beide. Freilich, über die Resonanz bei den Jugendlichen enthielt die Mitteilung keine Zahlen. Die fanden sich dafür in einer anderen Fassung der gleichen Mitteilung, die zuvor – kurzzeitig – auf der Homepage der Landesregierung zu lesen war, ehe sie getilgt wurde. Leider seien für „die 11473 Schnupperangebote diesmal nur 5053 Anmeldungen erfolgt. Im vergangenen Jahr waren es noch über 7500 Anmeldungen“, hieß es dort. Ehrliche und offene regierungsamtliche Pressearbeit sieht wohl anders aus.

Man kann den Eindruck haben, dass Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) empfindlicher auf öffentliche Kritik reagiert. Jedenfalls ist Regierungssprecher Thomas Braune häufiger als früher damit beschäftigt, offizielle Pressemitteilungen mit allerlei Dementis und Klarstellungen zu verschicken – zum Teil mit drastischer Wortwahl. Als es jetzt Spekulationen gab, Platzeck habe seine Sozialministerin Dagmar Ziegler (SPD) zur Bundestagskandidatur gedrängt, verlautbarte Braune offiziell:„Das ist Quatsch“. Kurz darauf, als die Grüne Liga Platzeck in der Energiepolitik wegen der geplanten Abbaggerung vor drei Lausitzer Dörfern Wortbruch vorwarf, hielt Braune ihr in einer Presseinformation „bewusste Irreführung der Öffentlichkeit“ vor. Und Grünen-Bundeschefin Claudia Roth, die Platzeck einen Klimaschutz-Denkzettel übergeben wollte, durfte sich von der Staatskanzlei Unkenntnis vorhalten lassen. Braune: „Bevor man einen Merkzettel schreibt, sollte man sich mit den Fakten vertraut machen.“

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