Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über eine Liebe Platzecks und das SPD-Geheimrezept

Thorsten Metzner

Manchmal könnte es in Deutschland ruhig weniger verbissen, etwas gelassener zugehen – zum Beispiel beim Rauchverbot. Das wünscht sich Matthias Platzeck, Brandenburgs SPD-Regierungschef. Bei einer Debatte mit Jugendlichen erzählte er jetzt offenherzig, wie er und seine Liebste während eines Spanienurlaubs in einer Kneipe trotz Nichtraucherschildern rauchen durften. „Der Wirt hat auf unsere Bitte geantwortet: ,Na klar. Ich mache ein Fenster auf – dann sind wir Freiluftgaststätte‘“, so Platzeck neidvoll. „Das ist eben eine andere Mentalität.“ Die jungen Leuten überraschte er zudem mit einem Bekenntnis: „Ich liebe den Kompromiss.“ Mit Geschwistern, mit dem Ehepartner, mit Freunden auskommen – das sei schließlich nur mit Kompromissen möglich. „Und in der Politik ist es genauso.“ Mal sehen, wie kompromissbereit und nachsichtig Platzeck sein wird, wenn am Montag der Koalitionsausschuss tagt, um den jüngsten Bündnis-Krach um zwei Seitensprünge der Union mit den Linken bei Ausschussabstimmungen beizulegen.

Mit Hochdruck bereiten Brandenburgs Sozialdemokraten die Kommunalwahlen am 28. September vor, bei denen die Schmach von 2003, der Sieg der Union, wettgemacht werden soll. Die Potsdamer Parteizentrale gibt dabei hinter den Kulissen den Genossen vor Ort kreative Nachhilfe. „Jetzt ist die Zeit für Vorwahlkampfaktionen“, heißt es in einem Rundbrief an alle Funktionäre. Darin finden sich nicht nur die Motive der geplanten landesweiten Plakate, den noch mit „Blindtext“ gefüllten Wahlbrief Platzecks, sondern konkrete Anregungen für „örtliche Grillfeste“, „kommunalpolitische Spaziergänge oder Radtouren“, „Skat- oder Schachturniere“. Nach Empfehlung des Regine-Hildebrandt-Hauses sind „besonders geeignet“ auch „z. B. kleine Bootstouren mit Vertretern der Presse“. Es folgt ein „kleiner Tipp“: „Sorgt bei der Tour für ausreichend Getränke und belegte Brote.“ Tja, und dann gibt es gleich noch eine verkappte Urlaubssperre für die Genossen. „Nutzt das Sommerloch.“

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