Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über die Widrigkeiten der Lüfte

Thorsten Metzner

Mindestens einmal im Jahr wird im Landtag darüber gestritten, den Abschuss von Rabenvögeln im Lande zu erlauben, was Bauern immer wieder fordern. Diese Woche bekamen Befürworter eines solchen „Schießbefehls“ unerwartet Argumentationshilfe. Und was für eine! Vom Turm des Landtagsgebäudes, auf dem ein Turmfalke mit seiner Familie nistet, war ein so süßes, kleines, flauschiges Falkenbaby in die Tiefe gestürzt. Es überlebte, ein Wunder, den Unfall, der in Wirklichkeit ein gemeines Attentat der schwarzen Krähenmonster war, und Potsdams Stadtjägermeister, der nach dem Notruf aus dem Parlament das Falkenbaby fachmännisch versorgte und in Obhut brachte, warnte: Auch die Geschwister des kleinen Unglücksraben – pardon, Unglücksfalken – seien durch die Nesträuber in Gefahr. Kein Gerücht ist es, dass die Landtagsverwaltung zurzeit prüfen lässt, ob man das Nest der märkischen Parlamentsfalken mit einer Webcam überwachen kann.

Steffen Reiche, der SPD-Bundestagsabgeordnete aus der Lausitz, frühere Brandenburger SPD-Parteichef und Ex-Bildungsminister, ist stocksauer auf eine Stewardess und auf die Berliner Strafjustiz: Er denke über eine Strafanzeige nach, sagt er, weil die Berliner Staatsanwaltschaft „pünktlich zur Sommerpause“ zuallererst eine Boulevardzeitung – anstatt ihn als Betroffenen und den Bundestag – über einen 3000-Euro-Strafbefehl informiert hat, der wohl gegen Reiche verhängt werden soll. Er soll, so der Vorwurf, im Januar 2007 bei einem Flug von Brüssel nach Tempelhof einer Stewardess ein Bein gestellt haben. Nun hatte es zwar Ärger im Luftraum gegeben, weil ihm die Flugbegleiterin keine deutsche Zeitung geben und dann nicht zur Businessclass-Toilette lassen wollte. Den Stolperangriff aber bestreitet Reiche vehement. „So war es nicht“, sagt er. Dies hätten mittlerweile sechs Zeugen gegenüber der Staatsanwaltschaft belegt. Deshalb werde er, sagte Reiche, auch keinen Strafbefehl akzeptieren. Wenn er dabei bleibt, gäbe es eine Gerichtsverhandlung.

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