Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Schönbohms charmante Personenschützerinnen

Eine Premiere ist es nicht. Matthias Platzeck, Brandenburgs SPD-Regierungschef, hat schon lange eine. Jetzt steht auch Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) unter besonderem Schutz – durch eine weibliche Personenschützerin. Und die beiden Frauen im Personenschutz-Kommando sind sich, wie man in Potsdam sofort aufmerksam registrierte, vom Typ sogar ziemlich ähnlich: Beide attraktiv, beide mit langen dunklen Haaren, beide, natürlich, sportlich durchtrainiert, wie es sich für den Job gehört. Spekulationen, dass die feminine Verstärkung auf seinen ausdrücklichen Wunsch zurückgeht, dementiert Schönbohm allerdings strikt. Er habe seit 20 Jahren – damals wurde er Chef des Planungsstabes auf der Hardthöhe – Personenschutz. „Ich habe mich in diese Dinge nie eingemischt. Das haben die Fachleute zu entscheiden.“ Trotzdem findet es Schönbohm ausgesprochen gut, dass er eine Beschützerin hat. „Besonders in der Oper ist das sehr praktisch.“ Da falle sie überhaupt nicht auf.

Das ist zweifellos eine Premiere: Im Brandenburger Parlament, das ja als mittelmäßig, als arm an klugen Köpfen gilt, wird oft über das „lebenslange Lernen“ philosophiert. Mit gutem Beispiel voran ging jetzt die CDU-Abgeordnete Saskia Funck, frühere parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion. Die 40-jährige Finanzexpertin hat an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam gerade ihre Dissertation fertiggestellt und verteidigt, so dass sie sich offiziell „Doktor“ nennen darf. Das Thema ihrer 460 Seiten umfassenden Doktorarbeit, die sie zwei Jahre lang parallel zu ihrem Job als Abgeordnete schrieb, hat Bezüge zu ihren politischen Steckenpferden: „Die Aufgabenauslagerung in Landesbetriebe im Bundesland Brandenburg und anderen ausgewählten Bundesländern.“ Was sie dazu trieb? „Weiterbilden schad’ ja nix“, sagt Funck salopp. Ein Jahr habe es gedauert, das Material zusammenzutragen und zu strukturieren. „Das Schreiben war Fleißarbeit.“ Im Landtag lästern nun manche über „Frau Doktor“ – der blanke Neid derer, die so etwas nie zustande bringen würden.

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