Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über edle Füller und verdiente Feiern

Thorsten Metzner

Man vermutet es nicht unbedingt. Doch in der armen, strukturschwachen Prignitz werden Füllfederhalter gefertigt, die zu den edelsten der Welt gehören. Als eigene Marke, aber auch für den Schweizer Luxushersteller Mont Blanc. Als Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) jetzt das Cleo-Schreibgeräte-Werk in Bad Wilsnack besuchte, kam er aus dem Staunen über die schönen Füller mit Gold- und Platinfedern nicht hinaus. Platzeck verließ das Unternehmen mit einer klaren Richtungsentscheidung: „Ab sofort werden brandenburgische Staatsverträge nur noch mit Füllhaltern aus dem eigenen Land unterzeichnet.“ Platzeck und Cleo- Firmenchef Wolfgang Weiß besiegelten dies sofort, jedoch nicht mit Tinte – sondern, noch klassischer, per Handschlag.

Bereut hat er nie, dass er nach dem Studium in Berlin doch nicht nach Indien zurückkehrte. Jetzt feiert Ravindra Gujjula, praktizierender Arzt, SPD-Landtagsabgeordneter und früherer Bürgermeister von Altlandsberg, ein denkwürdiges Jubiläum: Seit 25 Jahren lebt er nun in Altlandsberg, wohin es ihn Anfang der 80er Jahre eher zufällig verschlagen hat. „Ich wollte mein praktisches Jahr in einem kleinen Krankenhaus absolvieren. Und wir bekamen hier eine Zwei-Raum-Wohnung mit Zentralheizung – das war wie ein Sechser im Lotto.“ Seitdem sei Brandenburg seine Heimat geworden, sagt Gujjula, der in Indien, aber auch der DDR mit der Obrigkeit im Clinch lag und trotz seines Politikerjobs auch deshalb Arzt bleibt, „weil ich mir meine Unabhängigkeit bewahren will“. Am Donnerstag will Gujjula mit zweihundert Freunden, Weggefährten und „treuen Patienten“ feiern. Allerdings wäre Gujjula nicht Gujjula, wenn er vorher nicht noch zu einer „Integrationskonferenz“ gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit laden würde.

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