Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner wundert sich über Herr und Gescherr

Thorsten Metzner

L’État c’est moi“ – der Staat bin ich, befand Ludwig XIV. Dass sich derlei absolutistische Auffassungen auch bei Regierenden der Neuzeit einschleichen, kommt aber eher selten vor. Doch die Brandenburger Staatskanzlei verschickte jetzt ein Einladungsschreiben – mit Briefkopf und Unterschrift von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) – für einen hochkarätigen Empfang in Warschau am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit. Der deutsche Botschafter in Polen habe ihn eingeladen, schreibt Platzeck, anlässlich des Jubiläums „mein Bundesland“ in Warschau zu präsentieren. Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), bekanntlich dem preußischen Dienstethos verpflichtet, wunderte sich über diese besitzergreifende Sprache: „Jeder Ministerpräsident ist auf Zeit gewählt. Unser Land Brandenburg gehört den Brandenburgern.“

Beim CDU-Landesparteitag am Freitag in Brandenburg an der Havel gab es eine Premiere: Vizeparteichefin und Ex- Justizministerin Barbara Richstein übernahm erstmals die Tagungsregie – und zog sich prompt Kritik zu. Der Grund: Landeschef Ulrich Junghanns (CDU) war mitten in seiner Grundsatzrede gerade an der spannendsten Stelle und attackierte Rot-Rot – als er von Richstein rigoros unterbrochen wurde. Sie schickte ihn vor die Tür, damit er dort Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüße, die als Gast erwartet wurde. Nur, dass Merkel noch auf sich warten ließ, so dass der Parteitag eine mehr als zehnminütige Pause überbrücken musste. „Es ist ein Unding, den Vorsitzenden so zu unterbrechen. Und der lässt das auch noch mit sich machen“, zürnte ein CDU-Spitzenmann. Üblich sei, dem Redner einen Zettel zu reichen – so dass Junghanns Angela Merkel vom Podium aus hätte begrüßen können.

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