Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über musikalische und rechtschreibschwache Politiker

Thorsten Metzner

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag zur Unterstützung ihrer märkischen Parteifreunde im Brandenburger Kommunalwahlkampf nach Cottbus eilt, wird sie sicher auch ihre neue Lieblingsbotschaft verkünden: Deutschland müsse eine „Bildungsrepublik“ werden. Mit guter Bildung ist es allerdings so eine Sache, wie ihre Parteifreunde in der CDU-regierten Stadt Brandenburg/Havel jetzt im Stadtbild demonstrieren. Dort ist mehrfach ein Großplakat zu sehen, das vor zwei Wochen erstmals von Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann gemeinsam mit Kanzlerin Merkel am Rande des dort tagenden CDU-Landesparteitages enthüllt wurde. Das Plakat zeigt ein Dutzend CDU-Lokalpolitiker, die alle Puzzleschilder tragen – mit Aufschriften wie „Familie“ oder „sanierte Schulen“. In der ersten Reihe steht das populäre Stadtoberhaupt. Auch Dietlind Tiemann trägt so ein Schild. Die Aufschrift: „sozial ist, was arbeit schaft“, wirklich, nur mit einem „f“. Wie heißt es auf anderen Plakaten: „CDU macht Schule“. So hoffentlich nicht.

Er war nach der Wende einmal Stadtrat in Potsdam, lange Jahre auch Rechnungsprüfungsamtsleiter im Rathaus: Jetzt gelang Reinhard Stark, 69 Jahre, SPD, ein besonderer Triumph: Er schaffte es, die Hauptversammlung des Bundesverbandes Deutscher Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien erstmals in seine Heimatstadt zu holen. Und den ungewöhnlichen Begrüßungs-Auftritt von Stark, der die Potsdamer Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie leitet, werden die aus der ganzen Bundesrepublik angereisten 200 Gäste wohl nicht vergessen: Anstelle einer Rede präsentierte Stark gemeinsam mit zwei Musikern ein „Stück, das nach intensiven Recherchen vorher in Potsdam noch nie aufgeführt worden sei“, nämlich aus dem Opus 83 die „rumänischen Melodien“ des Berliner Komponisten Max Bruch: Stark selbst spielte im Trio die Klarinette. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) offerierte den erstaunten Gästen danach: „Ja, das ist eben Brandenburg! Hier gibt es auch noch einen Finanzminister, der bei manchen offiziellen Anlässen Mundharmonika spielt.“

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