Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über linke Manager und stillende Politikerinnen

Thorsten Metzner

Wenn es einen Titel familienfreundlicher Landtag gäbe, dann hätte Brandenburgs Parlament neuerdings wohl ganz gute Karten: Zur Unterstützung junger Mütter geht man hier unorthodoxe Wege. In den Genuss kommen zuerst die „Babyboomer" der SPD, die von allen Fraktionen zurzeit den Spitzenplatz bei der Gewinnung kleiner Märker und Märkerinnen einnimmt, von denen es im Lande viel zu wenige gibt: Kürzlich sind nämlich Vizefraktionschefin Klara Geywitz und die Anti-Bürokratie-Expertin Tina Fischer Mütter geworden. Und siehe da, der Landtag hat sofort ein Zimmer eingerichtet, wo die beiden ihre Kleinen in aller Stille stillen und wickeln können. Allerdings erhielten die Polit-Mütter in einem Brief noch exakte Instruktionen zur „Nutzung des Raums", in dem es neben einem Wickeltisch, Sitzgelegenheiten sogar die allgemein empfohlene „Fußstütze zum Stillen" gibt: „Für die Entsorgung der Abfälle, insbesondere der Windeln, finden Sie im Raum einen extra gekennzeichneten Abfallbehälter vor, der täglich geleert wird."

Linkspartei-Geschäftsführer Christian Görke durfte diese Woche den Untersuchungsausschuss zur Bodenreform-Affäre leiten. Und wunderte sich schon, warum die SPD-Genossen im Raum an diesem Tag ausgesprochen guter Dinge waren. Das Rätsel löste sich, als der letzte Zeuge gehört wurde: Es war der Manager eines der Rechercheunternehmen, die damals im Auftrag des Landes, mit rund 13 Millionen Euro durchaus fürstlich honoriert, nach den rechtmäßigen Eigentümern der Grundstücke suchen sollten – bekanntlich nicht sonderlich erfolgreich. Sonst hätte sich das Land 7000 Immobilien nicht einverleiben können. Tja, und da gab SPD-Obfrau Susanne Melior ganz nebenbei einen Wink, dass der Zeuge für den Kreistag Dahme-Spreewald kandidiert – und zwar für die Linken, was Görke nicht wusste. Der linke Geschäftsmann verteidigte die damalige Politik seines Auftraggebers, des Finanzministeriums. Aufschlussreich für die Opposition war es trotzdem: Die „Suche" nach Erben beschrieb er so: Es seien jede Menge „Serienbriefe" mit Anfragen an Behörden verschickt worden. Mehr nicht.

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