Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über eine strittige Personalie und Landtagsfluchten

Thorsten Metzner

Regierungskunst hat viel mit einer klugen Personalpolitik zu tun. Brandenburgs Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) indes geht dabei bisweilen verschlungene Wege wie beispielsweise bei der Neubesetzung der Leitung des zum Unesco-Welterbe gehörenden Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin: Seine Entscheidung, den Naturschutz-Chefposten mit der fachfremden Forstbeamtin Constanze Knape zu besetzen, hatte in der „grünen“ Szene Unmut hervorgerufen – und zudem juristischen Zoff. Mehrere profilierte, führungserfahrene Naturschützer, die sich ebenfalls um die Stelle beworben hatten, klagten auf ein faires Verfahren. Und siehe da: Als sich vor dem Potsdamer Arbeitsgericht ihr Sieg abzeichnete, stoppte das Woidke-Ministerium kurzerhand das gesamte Besetzungsverfahren. Freilich, Knape bleibt, tricky, tricky, trotzdem Chefin des Biosphärenreservates – „kommissarisch“, wie es nun heißt. Und das soll, wie aus dem Ministerium auch noch zu hören ist, weiter so bleiben. Provisorien in Brandenburg können dauern.

Diese drei Landtagsabgeordneten haben zumindest eine Gemeinsamkeit: Sie gelten als unbequem, sie sind keine „grauen Mäuse“. Die Rede ist von den beiden Sozialdemokraten Esther Schröder (früher PDS) und Jens Klocksin, der zum kleinen, linken Flügel der märkischen SPD gehört, sowie vom Rechtsexperten Stefan Sarrach (Linke). Alle drei waren aufgefallen, weil sie sich, wenn sie es für nötig hielten, schon mal gegen die Linie ihrer Fraktionen stellten. Nun kehren alle drei dem Landtag den Rücken. Klocksin und Schröder wollen zur Landtagswahl 2009 nicht noch einmal antreten. Sarrach legt in Kürze sein Mandat nieder, weil er Sozialrichter wird. Man darf prophezeien, dass Brandenburgs Landtag künftig noch langweiliger wird. Aber vielleicht machen die drei ja wenigstens im Club der Ehemaligen mit, in der kürzlich gegründeten „Parlamentarischen Gesellschaft“.

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