Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner weiß von Märchen- und Fragestunden

Der Brandenburger CDU-Abgeordnete Sven Petke setzte sich durch etwas eigenwillige Prioritäten in die Nesseln. Am Donnerstag, dem bundesweiten Vorlesetag, gab der dreifache Vater in einer Kita den Märchenonkel. Zur Freude der Vier- bis Sechsjährigen las er Astrid Lindgrens „Weihnachten in Bullerbü“. Trotzdem hat der Kita-Auftritt ein Nachspiel: Während Petke vorlas, tagte regulär der Landtag – ohne den innenpolitischen Sprecher der Unionsfraktion. Prompt beschwerte sich Christoph Schulze, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, beim Landtagspräsidium: „Ich bitte Sie, die Anwesenheitspflicht der Abgeordneten generell durchzusetzen.“

Koalitionsverträge sind manchmal ein Kreuz: Vielen Sozialdemokraten war nicht wohl dabei, als sie im Landtag aus Räson gegenüber dem CDU-Juniorpartner einen Gesetzentwurf der Linken für das unterirdische Verlegen von Hochspannungsleitungen ablehnen mussten – bis auf zwei Ausnahmen: Ex-Agrarminister Wolfgang Birthler und die energiepolitische Sprecherin Barbara Hackenschmidt. Vorher hatte Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) Mühe zu erklären, warum in Brandenburg nicht sinnvoll sei, was das CDU-regierte Niedersachsen gerade praktizierte. „Täuscht Ministerpräsident Wulff seine Wähler?“, schallte es Junghanns entgegen – aus der SPD. Die Antwort: „Das macht Herr Wulff nicht!“ Nun ja, es fiel schon auf, wie prächtig sich Sozialdemokraten und Linke bei dem Thema verstanden. So gut, dass Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) sich zu einem Ordnungsruf genötigt sah: „Koalitionsverhandlungen bitte außerhalb des Plenarsaals!“

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