Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Rollen, mit denen sich märkische Politiker identifizieren: Könige, Narren und sogar Prinzen in Märchenfilmen

Ehe es Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) jetzt in sonnige Urlaubsgefilde zog, wo der passionierte Bergsteiger im Roten Meer das Tauchen lernen will, schickte er Regierungschef und Parteifreund Matthias Platzeck, der am 29. Dezember 55 wird, eine hintersinnige Glückwunschkarte – mit Anspielungen auf aktuelle Krisenzeiten. Das Bild zeigt einen König und einen Narr mit hängenden Schultern auf dem Weg zu ihren Untertanen. Der Titel der Lithografie von Paul Weber lautet: „Wie sagen wir ’s unserem Volke?“ 2009, so schreibt Fritsch, „dem Superwahljahr, werden wir viel Energie benötigen, die vor uns liegenden Aufgaben zu meistern“. Deshalb wünsche er Platzeck auch „etwas Entspannung zum Jahreswechsel“, damit die Herausforderungen 2009 „auch mit Freude und Elan angepackt werden können“ und „wir nicht solche Überlegungen anstellen müssen“, wie der Künstler auf der Karikatur.

Es gibt wohl kaum jemanden, der den Märchen-Kultfilm nicht kennt, der gerade zu Weihnachten von vielen Fernsehstationen gespielt wird: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Der deutsch-tschechische Streifen von 1973 ist auch der DEFA-Lieblingsfilm von Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. Und zwar, wie er jetzt verriet, „weil ich dort selbst mitgespielt habe“. Der junge Junghanns war ein Double für den Prinzen, wenn dieser bei wilden Reiterszenen „von und zum Schloss Moritzburg galoppierte“. Es sei während seiner Ausbildung zum Pferdewirt gewesen, erzählt Junghanns, der bis heute ein sattelfester Reiter ist. Über die Szene bei den Dreharbeiten, als „die Prinzessin ganz traurig im Stall stand und mit dem Schimmel redete“, amüsierte sich Junghanns ganz besonders: Unterm Pferd, was der Zuschauer natürlich nicht sieht, „lag zur Beruhigung ein Stallbursche mit einer Möhre“.

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