Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Wiedersehensfreude, Putschgelüste und spitzes Gerede Beide trauern wohl alten Zeiten nach, als die Welt für sie noch in Ordnung war: Auf dem Sommerfest der Landesregierung am Donnerstag im Krongut Bornstedt liefen sich die beiden Gründer der großen Koalition über den Weg: Ex- Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU). Die Begrüßung war auffallend herzlich. Als Stolpe von einem Fernsehsender gefragt wurde, warum er nach Bornstedt gekommen sei, antwortete er: „Wegen der netten Menschen; einen besonders netten habe ich gerade getroffen“ – und wies dabei auf Schönbohm. Dann nahm der viel gescholtene Bundesbauminister Schönbohm unterm Arm: „Jetzt schneiden wir zusammen eine Torte an.“ Auch Schönbohm tat’s gut. Im kleinen Kreis tat er neulich kund, dass sein Kontakt zum damaligen Regierungschef Stolpe enger war als zu dessen jungem Nachfolger Platzeck.

* * *

Nicht alle Abgeordneten gehen mit friedlichen Gedanken in die Sommerferien, einige Sozialdemokraten schmieden sogar Putschpläne: Sie richten sich gegen den SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch, dessen Wiederwahl sie nach der Landtagswahl mit allen Mitteln verhindern wollen. Die letzte Rede des politisch blassen 61-Jährigen vor der Landtagswahl – ausgerechnet zur Bilanz der großen Koalition – hat seine Gegner noch bestärkt. Wie gewohnt las Fritsch eine langweilige Rede noch langweiliger vom Blatt ab. „Man ist immer auf dem Weg in die Zukunft“, so eine von Fritschs goldenen Wahrheiten, ehe er sich im Klein-Klein verlor: „Radwege im Lande müssen auch von Skatern genutzt werden können.“ Die Kommentare aus den eigenen Reihen waren hart: „Es reicht!“ Noch am Abend der Landtagswahl am 19. September wollen sich die Putschisten treffen, um Fritschs Wiederwahl zu verhindern.

Im Innenministerium von Jörg Schönbohm sollen sich manche den Tag bereits dick im Kalender eingetragen haben, weil eine schöne Zeit zu Ende geht: Am Montag kommt der gefürchtete Staatssekretär Eike Lancelle aus einem vierwöchigen Urlaub zurück. Dass Lancelle ausgerechnet in den hektischen Wochen vor dem Ende der Legislaturperiode so lange abwesend war, führte zu Gerede. Bis in andere Ministerien hat es sich herumgesprochen, dass es eine lautstarke Auseinandersetzung zwischen Schönbohm und Lancelle gegeben haben soll, die bisher immer als verschworenes Team galten. „Und am nächsten Tag hat er sich für vier Wochen in den Urlaub verabschiedet.“ Angeblich soll es schon seit längerem Differenzen zwischen Schönbohm und Lancelle wegen dessen rigiden und im Haus umstrittenen Führungsstils geben. Intern hat er bereits den Spitznamen „Lanz-elle“.

* * *

Den Ausschlag für Brandenburgs Ja zu den Gerichtsfusionen mit Berlin im Landtag gab ausgerechnet seine Stimme: Edwin Zimmermann, der wegen Subventionsbetruges in der Backofen-Affäre verurteilte Ex-Agrarminister, stimmte entgegen seiner Ankündigung doch nicht mit Nein. Warum der plötzliche Sinneswandel? SPD-Partei- und Regierungschef Matthias Platzeck war unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung zu seinem als stur geltenden Genossen geeilt und hatte auf ihn eingeredet – was im Landtag aufmerksam registriert wurde. Justizministerin Barbara Richstein (CDU) meinte daraufhin scherzend zu Platzeck, ob er Zimmermann etwa versprochen habe, dass er in der nächsten Legislaturperiode wieder Agrarminister werde. Der Regierungschef: „Nein, Justizminister – mit der Justiz hat er mindestens genauso viel Erfahrung.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben