Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

über ein Konzert hinter Gittern und die Reise-Regierung Er singt Songs für „harte Jungs“ und ist dieser Tage auch auf der „TV-Alm“ auf Pro Sieben. Doch bald kommt der Country-Rocker Gunter Gabriel hinter märkische Gitter: Er spielt am 29. August exklusiv und ohne Gage für die Insassen der Justizvollzugsanstalt Spremberg in Südbrandenburg. Für das Konzert wird im Freigang-Hof eine überdachte Bühne aufgebaut. Solche Auftritte habe der Musiker seit Jahren in westdeutschen Knästen, in Brandenburg sei es aber sein erster, erklärt Gabriels Manager. Gabriel eifere seinem Vorbild Johnny Cash nach, der oft in Gefängnissen sang. Ob es hilft gegen Gerüchte, dass die Spremberger Anstalt geschlossen werden soll? Justizministerin Barbara Richstein (CDU) sagt,, dass da „nichts dran“ sei. Falls es ihr Terminkalender hergibt, will sie das Gunter-Gabriel-Konzert im Gefängnis besuchen.

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In der beschaulichen Fontane-Stadt Neuruppin gehen die Parteien familiär miteinander um – sogar im Landtagswahlkampf. In einem lokalen Fairnessabkommen haben sie sich verständigt, dass in der historischen Innenstadt keine Plakate geklebt werden dürfen. In der SPD sorgt man sich freilich, dass ihr Kandidat Wolfgang Klein, Geschäftsführer der Landtagsfraktion, den Wahlkreis verlieren könnte – durch eine heimliche Familien-Allianz von CDU und PDS. Wenn Otto Theel, der populäre PDS-Bürgermeister, in den Landtag einzöge, könnte das der Union gelegen kommen. Denn hartnäckig hält sich ein Gerücht: Die CDU könnte für den dann vakanten Rathausposten den Sohn des PDS-Bürgermeisters ins Rennen schicken: Es ist Andreas Theel, Vize-Chef der CDU-Stadtfraktion und Geschäftsführer der Fahrgastschifffahrt. Das Dementi des CDU-Stadtvorsitzenden Stephan Goericke klingt halbherzig: „Das steht nicht auf der Tagesordnung.“

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Eigentlich könnte man sich Kabinettssitzungen so kurz vor der Landtagswahl sparen: Die Tagesordnungen werden immer kürzer. Die Minister reisen umher und machen Wahlkampf. Die letzte Kabinettsrunde dauerte 20 Minuten. Das begehrteste Ziel der Reisenden war zuletzt die Havelstadt Brandenburg: Mittwoch kam SPD-Ministerpräsident Matthias Platzeck, Donnerstag CDU-Spitzenkandidat Jörg Schönbohm. „Der Doppelbesuch war reiner Zufall“, versichert Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU). Hat es der Stadt etwas gebracht? Tiemann: „Na ja.“ thm

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