Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

verrät, warum der Adler nicht mehr fliegt Wen wundert’s: Nach dem harten Wahlkampf der letzten Wochen sind die Spitzenkandidaten der Parteien erschlafft – und gönnen sich am heutigen Sonntag bis zum abendlichen WahlpartyStress eine kurze Verschnaufpause. Ministerpräsident Matthias Platzeck über seine Sonntagspläne: „Endlich mal ausschlafen und dann zum Handball.“ Sein CDU-Herausforderer Jörg Schönbohm verriet: „Ich werde mich mittags in den Garten setzen und ein Buch lesen.“ Die PDS-Spitzenfrau Dagmar Enkelmann zieht’s in die Pilze. In „der Bernauer Gegend“ kennt sie so ihre Stellen, verrät aber nicht, wo. Bei Grünen-Spitzenkandidat Wolfgang Wieland steht nach einem ausgiebigen Frühstück eine Fahrradtour durch den Park Babelsberg und den Neuen Garten auf dem Programm. Kollege Heinz Lanfermann von der FDP will in Ruhe frühstücken und danach einfach die Seele baumeln lassen.

Zwischendurch, am Vormittag, wollen allerdings alle wählen gehen. Damit man sich nicht ins Gehege kommt, wird der Zeitplan gegebenenfalls abgestimmt. Wolfgang Wieland, der wie Platzeck in Babelsberg wohnt und wählt, hat seine Stimmabgabe großzügig vorverlegt, um den Auftritt des Ministerpräsidenten nicht zu stören. Regierungssprecher Thomas Braune bat darum, „das konnte ich nicht abschlagen“, sagt Wieland. So kann Platzeck jetzt um zwölf Uhr wählen und in die Kameras lächeln, ohne dass die Medien durch den grünen Konkurrenten abgelenkt sind. Wieland kommt schon „fünf vor zwölf“ – das passe zu Brandenburg. Bei den anderen Spitzenkandidaten sind Kollisionen nicht zu befürchten: Dagmar Enkelmann wählt um 9 Uhr 30 in Bernau, Schönbohm um zehn Uhr in Kleinmachnow, Lanfermann um 11 Uhr in Potsdam.

Aber es gibt an diesem Sonntag auch wichtigere Dinge als Wahlen: das Landesumweltamt hat 80 Experten aus Deutschland und anderen europäischen Staaten ins uckermärkische Schloss Boitzenburg eingeladen. Sie wollen eine unpolitische, aber entscheidende Frage bereden: „Hat die Sumpfschildkröte in Brandenburg eine Chance?“ Vor zehn Jahren hatten Umweltschützer damit begonnen, das ebenso seltene wie langsame Tier in freier Wildbahn auszusetzen, um es wieder heimisch zu machen. In Deutschland gibt es die Tiere nur noch in Brandenburg. Norbert Schneeweiß von der Naturschutzstation Rhinluch: „Bei denen ist es wie bei uns Deutschen: Einige von ihnen sind weit mehr als 100 Jahre alt, aber der Nachwuchs fehlt.“

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