Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über neue Kleider und neue Freundschaften Man kann sicher sein: Unter dem neuen Finanzminister Rainer Speer (SPD) wird manches anders: in der Finanzpolitik, in der Führung des Hauses. Speer gilt nicht ohne Grund als jemand, der das, was gemacht werden muss, knallhart durchsetzt. Allerdings machen seine Freunde keinen Hehl daraus, dass Speer „auch sich selbst und seinen Arbeitsstil ändern“ müsse: „Als Finanzminister kann er nicht mehr nachmittags um halb vier mit seinem Laptop beim Rotwein in ,La Cantina‘ sitzen.“ Das ist Speers Lieblingskneipe. Und er werde auch sein „martialisch-schlampiges Out- fit“ ablegen müssen. Im Finanzministerium amüsiert man sich, weil Speer letzte Woche – noch als Staatskanzlei-Chef – eine von der bisherigen Finanzministerin Dagmar Ziegler beantragte Kleiderzulage für die Spielbank-Kontrolleure im Finanzministerium als „unzeitgemäß“ abgelehnt hatte. Die Finanzbeamten geben inzwischen süffisant zu: „Wichtiger wäre eine Kleiderzulage für Speer.“

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Dass die Koalitionsverhandlungen so schnell zu Ende gingen, lag ein bisschen auch an der guten Stimmung der Koalitionäre und daran, dass man sich menschlich gut verstand. „Es wurde viel gelacht“, sagen Teilnehmer. Und weil Lachen bekanntlich eine gute Medizin ist, wurden auch alte Vorurteile und Feindbilder abgebaut. So hat SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness, der Schönbohm bis dahin vor allem als starren ideologischen Hardliner sah, seine Meinung über den von ihm früher oft attackierten CDU-Chef geändert: Dieser habe in den Verhandlungen ausgleichend gewirkt, auch Humor und Ironie gezeigt, erzählte Ness anerkennend. Und: „Ich mag ihn jetzt richtig.“ Auch Schönbohm sieht Ness, obwohl der vor der Wahl noch eine böse Kampagne gegen ihn gestartet hatte, jetzt mit anderen Augen: „Wir können besser zusammenarbeiten, als ich dachte.“

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