Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über Vorträge, Vorschläge und Vorspiele Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat eine persönliche „Haushaltsklausur“ schon hinter sich: Der neue Finanzminister Rainer Speer (SPD), der mit Platzeck befreundet ist, stimmte ihn mit einem mehrstündigen Vortrag auf die Krisenklausur des Kabinetts zum Haushalt 2005/2006 am Montag ein. Im Babelsberger Restaurant „Fidele“ legte Speer die dramatische Finanzlage des Landes schonungslos dar. Es wurde ein langer Abend. „Ich musste sehr viel Rotwein trinken“, scherzte Platzeck danach, „eine Tabelle war schlimmer als die vorherige.“ Speer hat mehrere detaillierte Varianten erarbeitet, wie das Land das Finanzloch von einer Milliarde Euro schließen könnte. Doch alle sind mit kaum zumutbaren Einschnitten verbunden. Und Speer sagte Platzeck danach noch: „Ich habe dich noch geschont.“

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Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) bekam dieser Tage ein denkwürdiges Foto geschenkt: Es wurde im Frühjahr 1961 aufgenommen und zeigt Reste des Potsdamer Stadtschlosses mit einem SED-Großplakat davor: „Unser Aufbau ist unsere Antwort an die Bonner Atomkriegspolitiker.“ Jakobs, der trotz der Finanznot des Landes am Wiederaufbau des Stadtschlosses festhält, will das Foto jetzt vergrößern lassen und einem der größten Gegner des Schlossaufbaus zu Weihnachten schenken: dem PDS-Fraktionschef der Stadtverordnetenversammlung Hans-Jürgen Scharfenberg: „als kleiner Denkanstoß“.

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Für manche Sozialdemokraten und für die PDS sowieso ist er wie ein rotes Tuch: Sven Petke, CDU-Landtagsabgeordneter und -Generalsekretär, der den politischen Streit mit scharfer Zunge führt. Als er dieser Tage etwas flapsig auf einen Ordnungsruf reagierte, rief das prompt PDS-Fraktionschefin Dagmar Enkelmann auf den Plan: „Das ist unerhört!“, rief sie in den Saal und: „Das hat ein Nachspiel!“ Doch Petke reagierte schlagfertig – selten in dem sonst eher humorlosen Parlament: „Ich liebe Nachspiele wie Vorspiele, das können wir alles haben“, sagte er mit kessem Blick zu Enkelmann. Nach einer Pause: „Aber ob wir beide dies haben müssen, ist eine ganz andere Frage.“

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