Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über einen Orden und das Wunder von Potsdam Die Vorbereitungen sind in vollem Gange: Am Jahrestag des Volksentscheides über die Landesverfassung, dem 14. Juni, will Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) die ersten Rote-Adler-Orden verleihen. Der Festakt steht dick in seinem Terminkalender.

Zwar ist der nach traditionellem preußischen Vorbild geschaffene „Verdienstorden des Landes Brandenburg“ in Form eines Malteserkreuzes schon im Jahre 2003 eingeführt worden, doch im letzten Jahr wurde wegen des Wahlkampfes auf die Erstverleihung verzichtet. Vorschläge gibt es allerdings sehr viele. Weil der Orden eine hohe Wertigkeit hat (es darf laut Vorschrift auch nach 15 Jahren nur 300 lebende Ordensträger geben), muss tüchtig „ausgesiebt" werden. Die Minister und der Landtagspräsident tun das derzeit. Die Staatskanzlei leitet die Liste dann dem Ministerpräsidenten zur endgültigen Entscheidung zu. Die Angelegenheit wird höchst diskret behandelt – Namen nennt niemand.

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Das Wunder von Potsdam – so war ein Rundbrief überschrieben, der in den vergangenen Tagen in der Staatskanzlei kursierte. Der Anlass für die Jubel-Arie: Nach 13 Jahren gelang der Staatskanzlei beim jährlichen Fußball-Turnier der Landesregierung erstmals der Vorstoß ins Finale – angeführt vom neuen Kanzlei-Chef Clemens Appel. Die Staatskanzlei stach damit alle Ministerien aus.

Das Finalspiel gewann die Gastmannschaft der Industrie- und Handelskammer. Appel konnte mit dem sportlichen Erfolg – er hatte das Match zur „Chefsache“ erklärt – einen weiteren Pluspunkt in der Staatskanzlei sammeln: Der Einstieg des früheren Sozial- und späteren Bau-Staatssekretärs gilt als gelungen. Staatskanzlisten berichten, dass das Arbeitsklima angenehmer sei als unter seinem Vorgänger, dem oft etwas ruppigen Finanzminister Rainer Speer. Clemens Appel sei kommunikativer, pflege einen offenen Umgangsstil, habe immer eine offene Tür.

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Dass das arme Land Brandenburg vom reichen Lande Baden-Württemberg manches lernen kann, hat schon Alt-Landesvater Manfred Stolpe erkannt. Auch sein Nachfolger, Ministerpräsident Matthias Platzeck, kam jetzt ins Staunen: Erhielt er doch ein freundliches Schreiben der Zeitung „Schwarzwälder Bote“, in dem dieser anlässlich der Verabschiedung von Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) am 19. April 2005 eine große Sonderpublikation mit vielen Grußworten ankündigt. Das Blatt bat Platzeck aber nicht, wie der zunächst vermutete, um ein Statement über seinen Amtskollegen Erwin Teufel. Nein, Platzeck sollte das Zeitungsvorhaben „durch eine begleitende Produkt- oder Imageanzeige unterstützen“, wie es im Anschreiben hieß. Damit habe er Gelegenheit, so der „Schwarzwälder Bote“ weiter, seine „Verbundenheit zum Ministerpräsidenten und seinem Bundesland Baden-Württemberg zu dokumentieren“. Eine Liste mit den Anzeigenpreisen legte die Zeitung gleich bei. Dennoch konnte sich Matthias Platzeck bisher nicht zu einer solchen „Imageanzeige“ entschließen – obwohl er sich durchaus mit dem Lande Baden-Württemberg eng verbunden fühlt.

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