Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara,Thorsten Metzner

über Politik mit Bart, chinesische Höflichkeit und parlamentarische Organspender Spötter wollen bereits ein neues „Einheits-Outfit“ von Brandenburgs sozialdemokratischen Ministern ausgemacht haben: Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck trägt ihn schon länger, Finanzminister Rainer Speer und Bildungsminister Holger Rupprecht ebenfalls: den Drei-Tage- Bart. Als jetzt auch noch Infrastrukturminister Frank Szymanski mit jenen kurzen Stoppeln im Kabinett erschien, wunderte sich darüber auch Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). „Bei manchen Männern sieht der Drei-Tage-Bart ganz schick aus“, bemerkte Wanka. „Bei manchem ist er einfach unpassend.“ Wer aus dem SPD-Quartett danebenliegt und wer nicht, will die Ministerin allerdings partout nicht verraten. Szymanski dementierte jedenfalls strikt, dass es eine „Bart-Absprache“ in der SPD-Spitze gebe. Dennoch werden schon Wetten abgeschlossen, wann auch der letzte glatt rasierte SPD-Minister seine Erscheinung ändert. Aber noch bleibt Agrar- und Umweltminister Dietmar Woidke sich treu – und beharrlich glatt rasiert.

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Regierungschef Matthias Platzeck ist dieser Tage in China unterwegs – auch in seinem derzeitigen Amt als Bundesratspräsident. Dort registrierte man mit Genugtuung, dass auch er sich für eine Aufhebung des Waffenembargos ausgesprochen hat. Und aufmerksam hat man dort offenbar auch die Spekulationen registriert, Platzeck könne im Jahr 2008 einmal Kanzler Gerhard Schröder beerben. Als Platzeck jetzt in Peking den Himmlischen Tempel an der Verbotenen Stadt besichtigte, hatte die chinesische Führerin eine Bitte: „Es wäre schön, wenn Sie uns nach den persönlichen Veränderungen im Jahr 2008 wieder besuchen könnten.“ Wer weiß. Auf jeden Fall wird Platzeck nicht nur diese Einladung und einige Wirtschaftsaufträge von der Reise mitbringen, sondern auch herzliche Grüße an Klaus Wowereit von Pekings Oberbürgermeister. Wowereit, so erklärte ihm Wang Qishan, „ist ein tapferer Mann“. Er sei während der Sars-Epidemie 2003 der erste ausländische Politiker gewesen, der sich nach Peking traute.

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Durch große parlamentarische Initiativen wurde die CDU-Abgeordnete Roswitha Schier bisher nicht bekannt. Doch jetzt wirbt Schier sehr energisch für Organspenden, sie will sogar jedem Fraktionsmitglied ins Gewissen reden. „Das hat etwas mit Verantwortung zu tun.“ In einer kleinen Anfrage will Schier zudem von der Landesregierung wissen, „wie viele Menschen in Brandenburg in den letzten zehn Jahren gestorben sind, weil es kein Spender-Organ gab“. Bundesweit stürben täglich zwei bis drei Menschen aus diesem Grund. In dieser Frage vorbildlich ist CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek – als eingetragener Knochenmark-Spender, der im Notfall also schon zu Lebzeiten bereitsteht. Auch SPD-Fraktionschef Günter Baaske hat, seit zwei Wochen, einen Organspender-Ausweis. Der frühere Gesundheitsminister appelliert an Genossen und Nicht-Genossen: Nachmachen!“

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