Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

hat beobachtet, wie sich Politiker untereinander ärgern Was hat Bildungsminister Holger Rupprecht (parteilos) seinem Vorgänger Steffen Reiche (SPD) eigentlich getan, fragen sich derzeit manche Abgeordnete im Landtag. Denn dort fällt auf, dass Reiche seinen Nachfolger mit Nichtachtung straft: Er grüßt ihn nicht, gibt ihm nicht die Hand. Als der Minister jetzt bei der Haushaltsdebatte ans Rednerpult trat, um den neuen Bildungsetat zu verteidigen, stand Steffen Reiche demonstrativ auf und verließ den Saal. Für seinen Zorn darüber, dass Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) ihn nach der Landtagswahl eiskalt aus dem Kabinett warf, bringen manche Verständnis auf. Doch begreift keiner, warum er nun Holger Rupprecht brüskiert. Der nimmt’s gelassen. Im kleinen Kreis verriet er, dass er seinem Vorgänger mehrfach Gesprächsbereitschaft signalisiert habe, für jeden Ratschlag offen sei. „Ich finde die Situation bedauerlich, aber ich laufe ihm nicht hinterher.“

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Vor der Abstimmung über den Schlossaufbau in Potsdam für das Parlament kam der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christoph Schulze, mächtig ins Schwitzen: Aus Sorge, dass der historische Beschluss mangels genügend Stimmen scheitern könnte, raste er über Treppen und durch lange Gänge, um seine Abgeordneten in den Plenarsaal zu treiben. „Elisabeth, es kann in die Hosen gehen, wenn ihr nicht zur Abstimmung kommt“, mahnte er eine Abgeordnete aufgeregt. Der Abgeordnete Wolfgang Klein versteckte sich weit hinten im Saal, so dass Schulze immer aufgeregter wurde. Journalisten verriet Klein: „Ich sitze nur hier, um Unruhe zu stiften.“ Erst in letzter Sekunde ging er auf seinen Platz zur Abstimmung.

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Gäbe es den Titel „unbeliebtester Abgeordneter“, müsste ihn nach Meinung vieler Parlamentarier der CDU-Generalsekretär Sven Petke bekommen. Bei der Haushaltsdebatte unterbrach er den PDS-Fraktionsgeschäftsführer Heinz Vietze: „Sie sind ein Klugscheißer ersten Grades.“ Dafür handelte er sich eine Ermahnung ein. Während der Stadtschloss-Debatte drosch Petke in gewohnter Manier auf die PDS ein. Das war selbst Christdemokraten zu viel: „Ihm fehlt jedes situative Gespür.“

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