Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

kennt Ordensträger und Dickhäuterreiter Der Preußen-Freund und damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) hatte vor Jahren die Idee. Und er wird wohl zu den Ersten gehören, die am 14. Juni – dem Jahrestag des Volksentscheides über die Landesverfassung – mit dem einst preußischen und jetzt neu aufgelegten Roten-Adler-Orden ausgezeichnet werden. Die Liste der zu Ehrenden liegt schon auf dem Schreibtisch seines Nachfolgers Matthias Platzeck – ist aber noch geheim. Die Staatskanzlei werde vor dem 13. Juni „keinerlei Spekulationen“ bestätigen, heißt es. Außerdem sei die Liste noch nicht endgültig; Platzeck behalte sich noch die eine oder andere Änderung vor. Trotzdem gilt Stolpe als „gesetzt“. Unter denen, die wegen besonderer Verdienste um das Land Brandenburg geehrt werden, sollen auch ein oder zwei Berliner sein.

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CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm ärgert sich im Moment mächtig – über die Steuerdebatte in der Bundes-CDU, in der jeder mit einem anderen Rezept kommt und dem anderen widerspricht. Seinen Ärger reagierte Schönbohm bei einer Radtour in der Prignitz ab, bei der er auch im mecklenburgischen Platschow Station machte. Dort gibt es eine Elefantenzuchtstation – die einzige in Deutschland. Der 67-Jährige ließ es sich nicht nehmen, auf den Rücken einer 20-jährigen Elefantendame zu klettern. Der Abstieg war allerdings etwas schmerzhaft: Schönbohm rutschte in kurzen Hosen an der Reibeisenhaut des Elefanten herunter und rieb sich das Knie auf. Sein Kommentar: „So ein dickes Fell muss ich mir noch zulegen.“

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Die Präsidentschaft im Bundesrat beschert Brandenburgs Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) ungeahnte Rekorde: So gab er dieser Tage dem Sender „Radio Eins“ das kürzeste Interview seines Lebens: Für den Tag der offenen Tür im Bundesrat am 4. Juni musste er einen einzigen Satz sprechen „Hallo, ich bin Matthias Platzeck und ich lass’ Sie rein – in den Bundesrat.“ Bei seinem bisher größten Treffen mit Journalisten ebenfalls letzte Woche musste Platzeck sehr viel mehr reden. Zum traditionellen Gewölbekeller-Abend mit in- und ausländischen Hauptstadt-Korrespondenten hatten sich 180 Personen angemeldet. Im letzten Jahr, als der thüringische Ministerpräsident Althaus einlud, waren es 40 Anmeldungen. Der diesjährige Ansturm lag natürlich weniger an Platzeck als an der aktuellen politischen Lage. Kurz vorher hatte Kanzler Gerhard Schröder vorgezogene Neuwahlen angekündigt.

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Was hat die Trennungsgeld-Affäre in Brandenburg mit dem Schicksal von Hennen in Legebatterien gemeinsam? Die Antwort hat der frühere Justiz- Staatssekretär Hans-Georg Kluge, auch Herausgeber eines Kommentars zum Tierschutzgesetz, jetzt in der Zeitschrift „Tierrechte“ gegeben. Die Frage, warum es so schwer sei, bessere Lebensbedingungen für Legehennen zu erreichen, beantwortete Kluge mit der Geldgier der Menschen. Er habe dies als Justiz-Staatssekretär erfahren müssen, „als herauskam, dass einige Richter und Staatsanwälte in Brandenburg zu Unrecht Trennungsgeld vom Staat kassierten, das sie mit der falschen Begründung erschlichen hatten, als Bürger der alten Bundesländer nach Brandenburg umziehen zu wollen“. Selbst bei diesen hohen Juristen sei „das Streben nach Geld also stärker als die Moral und das Rechtsbewusstsein“. Und weil das so ist, zähle auch das billige Ei mehr als das Wohlbefinden der Hennen.

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