Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über mutige, weniger mutige und übereifrige Politiker Anderswo ist es nicht unbedingt üblich, dass in hochoffiziellen politischen Reden ganz private Glückwünsche ausgesprochen werden. Doch in Brandenburg geht es immer noch sehr familiär zu. So ließ es sich Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) nicht nehmen, zu Beginn seiner Rede auf der Tagung der Deutschen Bank zur Wirtschaftspolitik des Landes im feinen Dorint-Hotel der im Publikum sitzenden 49-jährigen PDS-Fraktionschefin Dagmar Enkelmann zur dritten Eheschließung zu gratulieren. „Diesen Mut haben nicht viele“, so Platzeck. Das sei „ein Stück Zukunftszuversicht für Brandenburg“. Dem geschiedenen Ministerpräsidenten selbst scheint dieser Mut allerdings zu fehlen. Zwar ist Platzeck seit längerem mit seiner Freundin Jeanette Jesorka fest liiert. Doch auf die Frage, ob demnächst die Trauung anstünde, antwortete der 52-jährige Vater dreier erwachsener Töchter sofort: „Nein, Nein! Es gibt keine weiteren Überraschungen.“

* * *

Übertriebener Eifer schadet nur: Das hat jetzt auch die SPD im Landtag erfahren müssen, die mit der CDU um die Vorreiterrolle beim Bürokratieabbau wetteifert. Ihr innenpolitischer Sprecher Werner Siegward Schippel forderte alle Amtspersonen im Land auf, Beispiele für Bürokratieauswüchse zu liefern. Das Amt Schradenland reagierte umgehend mit einer Kopie einer Pressemitteilung des Innenministeriums: Danach sollen Brandenburgs Kommunen zur Erhöhung ihrer Attraktivität „Auslaufgebiete für Pferde“ einrichten. „Pferdeäpfel sind regelmäßig, spätestens jedoch einmal pro Woche, zu entfernen.“ Einzelheiten würden in einer Pferdehalterverordnung festgelegt, heißt es in der Mitteilung, die die SPD sofort in eine Liste bürokratischer Auswüchse aufnahm und dem Sonderausschuss des Landtages zum Bürokratieabbau zuleitete. Was die humorlosen Genossen übersahen: Die Pressemitteilung war auf den 1. April datiert – ein Scherz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben