Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

wundert sich, wie Bürokratie abgebaut wird und wie Linke lernen Mit dem Bürokratieabbau haben es neuerdings alle: In der Staatskanzlei ist nach langem Hin und Her eine spezielle Leitstelle eingerichtet worden. Sie hat immerhin herausgefunden, dass die rot-grüne Bundesregierung zwischen 1998 und 2002 insgesamt 382 Gesetze und 1361 Rechtsvorschriften verabschiedet, aber nur 95 Gesetze und 406 Rechtsvorschriften außer Kraft gesetzt hat. Leider erfährt man auf der Homepage der Leitstelle nicht die Brandenburger Zahlen. Auch der Ausschuss für Bürokratieabbau, der sich nach einigem Tamtam im Landtag konstituiert hat, weiß zur Brandenburger Bilanz noch nichts zu sagen. Zunächst will man, um Erfahrungen zu sammeln, auf Reisen gehen: nach München und nach Wien, ganz unbürokratisch. Warum fliegen die Bürokratie-Abbauer nicht gleich nach Washington oder Tokio? Man gönnt sich ja sonst nichts.

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Dass der parteilose Bundesrichter Wolfgang Neskovic auf Listenplatz 4 der Brandenburger Linkspartei/PDS für den Bundestag kandidiert, hat einiges Aufsehen hervorgerufen – aber auch leichte Irritationen. Denn als der Sender RBB die Brandenburg-Kenntnisse des Kandidaten testete und nach den vier größten Städten im Land fragte, fiel der Lübecker glatt durch. Potsdam und Brandenburg/Havel kannte Neskovic, dann wusste er nicht weiter. Auch bei der Einwohnerzahl musste er passen. Inzwischen könne er die Städte Brandenburgs im Schlaf herbeten, schwört Neskovic. Seine Frau habe ihm die Leviten gelesen und eine Brandenburg-Karte an die WC- Tür gehängt. Jetzt halte er, bevor er die Toilette betritt, immer für zwei Minuten inne und studiere die Karte. So lernen also Linke.

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Neuerdings paukt auch Agrarminister Dietmar Woidke: Jeden Montagabend nach Dienstschluss sitzt er auf der Schulbank in Michendorf – in der Landes- Jägerschule, um den Jagdschein zu machen. Auf die Jagd gehen wolle er zwar nicht, sagt Woidke, aber Jagen habe in der Mark nun einmal eine lange Tradition, außerdem sei die Jägerschaft nicht unbedingt eine leichte Klientel. Wie man hört, ist Woidke ein gelehriger Schüler. Vor dem Schießen aber habe er „Bammel“, sagt er. „Da fallen die meisten durch, weil man das Wild tierschutzgerecht erlegen muss.“ Außerdem habe Brandenburg bundesweit die strengsten Schießprüfungen. Woidke: „Dabei wird es auch bleiben – selbst wenn ich durchfallen sollte.“

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