Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

MICHAEL MARA

über das Schönbohm-Trauma in der Politik Der „Nordstaat“, dem neben Berlin und Brandenburg auch Mecklenburg-Vorpommern angehören sollte, war eine Lieblingsidee von Matthias Platzeck – und ist es vielleicht auch noch. Jetzt hat Brandenburgs Ministerpräsident Gelegenheit, die Nordstaatler vom Nutzen dieser Kooperation zu überzeugen. Denn der Schweriner Regierungschef Harald Ringstorff hat sich an Platzeck mit der Bitte gewandt, die für 2009 in Oranienburg geplante Landesgartenschau um ein Jahr zu verschieben – sie fände sonst zeitgleich mit der Bundesgartenschau in Schwerin statt. Die Sorge der Mecklenburger ist groß, dass zu wenig Berliner den Weg ins 150 Kilometer von Oranienburg entfernte Schwerin finden könnten. Eigentlich kann Platzeck die Bitte kaum abschlagen, zumal die Schweriner Buga von einem guten Bekannten gemanagt wird: Jochen Sandner, der 2001 die Bundesgartenschau in Potsdam organisierte.

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Vor allem CDU-Politiker mühen sich, aus dem durch unbedachte Äußerungen über die Ossis über Nacht in der Wählergunst abgestürzten CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm Konsequenzen zu ziehen. Man ist mit Äußerungen auf Pressekonferenzen und in Interviews vorsichtig geworden: Keiner will, dass es ihm durch ein falsches Wort wie Schönbohm geht. So ließ sich CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek dieser Tage auf einer Pressekonferenz nicht aufs vermutete Glatteis locken. Bei der Begründung eines Antrags der CDU zur Frühförderung von Kindern erwähnte er zwar die Vielzahl gestörter Kinder im Land. Doch die Frage eines Journalisten, wo er denn die Ursachen sehe, blockte er ab: „Wollen Sie mich jetzt auf die Spur von Schönbohm schicken?“

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Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ärgert es schon lange, wie liederlich und stillos manche Politiker bei Landtagssitzungen herumlaufen: Während Schönbohm persönlich selbst an Hitzetagen nicht auf Anzug und Krawatte in der obersten Volksvertretung des Landes verzichtet, setzt sich manch junger PDS-Politiker ungeniert im angeschmuddelten Billig-T-Shirt als offizieller Beisitzer auf die Präsidentenbank. Kurz vor der ersten Landtagssitzung nach der Sommerpause hat Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) das Thema auf der turnusmäßigen Präsidiumssitzung offiziell angeschnitten und die „Kleiderordnung“ mancher Abgeordneten gerügt. Sie sei der Rolle des Parlaments oft „nicht angemessen“.

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