Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über falsche Anreden, fremde Sprache und neue Adressen Man kann es unterschiedlich interpretieren, dass die SPD-Politikerin Dagmar Ziegler immer noch als Finanzministerin angesprochen wird, obwohl sie seit rund einem Jahr Arbeits- und Sozialministerin ist. Auf der vergangenen Landtagssitzung zum Beispiel rief Parlamentspräsident Gunter Fritsch (SPD) freudestrahlend ins Plenum: „Unsere Finanzministerin Dagmar Ziegler hat heute Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!“ Auch mehrere Glückwunschbriefe, etwa vom Bevollmächtigten des Landes beim Bund und für Europaangelegenheiten Gerd Harms waren an die „Ministerin der Finanzen Frau Dagmar Ziegler“ gerichtet. Entweder, so interne Erklärungsversuche, habe Ziegler als Finanzministerin stärkere Eindrücke als im neuen Job hinterlassen. Oder Nachfolger Rainer Speer, um den es ziemlich ruhig ist, ist noch nicht ins Bewusstsein gerückt: Speer: „Wer seriös arbeitet, steht nicht in der Zeitung.“

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Hochschulministerin Johanna Wanka (CDU) fiel auf der Jahrestagung der Academia Europaea, einer Vereinigung von über 2000 europäischen Wissenschaftlern, aus dem Rahmen: Während Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS) und der gastgebende Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Dieter Simon ihre Reden vor den europäischen Wissenschaftlern in Deutsch hielten, referierte Wanka auf Englisch über den Wissenschaftsstandort Brandenburg. Im Vorfeld sei abgesprochen worden, dass die Reden in Englisch gehalten werden sollten, klärte Wanka hinterher auf. Darauf habe sie sich verlassen. Zwar hätte Wanka, die leidlich Englisch spricht, ihre Rede auch lieber in Deutsch gehalten. Doch befand sich die deutsche Fassung zu ihrem Pech in der Tasche ihres Referenten, den Wanka vor ihrem Auftritt nicht mehr erreichen konnte.

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Ex-Justizminister Kurt Schelter (CDU), 2002 wegen einer Immobilien-Affäre zurückgetreten, hat seine Zelte in Potsdam abgebrochen. „Ich lebe nicht mehr in Potsdam“, bestätigte Schelter, dessen Wohnung in der noblen Berliner Vorstadt mit Blick auf die Havel jüngst von einem Makler zur Miete angeboten wurde. Engere Kontakte zur Brandenburger CDU bestehen offenbar seit einigen Monaten nicht mehr. Immerhin sandte ihm die Partei vor wenigen Tagen zum 59. Geburtstag einen Glückwunsch.Schelter zog es zurück in bayerische Gefilde. Laut Telefonbuch ist er jetzt in Feldafing am Starnberger See als Anwalt tätig. Außerdem hält er nach dem Vorlesungsverzeichnis der Münchner Maximilians-Uni als Gastprofessor regelmäßig Vorlesungen. Dennoch ist er offiziell noch Mitglied der Brandenburger CDU. Eine offizielle Abmeldung hat es bisher, wird aus der CDU berichtet, nicht gegeben.

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