Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über bayerische Partys, geschlossene Gesellschaften und einen verwaisten Präsidenten Als Bayerns Regent Edmund Stoiber vor der Bundestagswahl im Bierzelt über die frustrierten Ostdeutschen herzog und die klugen Bayern über den grünen Klee lobte, war die Aufregung groß. Selbst CDU-Chef Jörg Schönbohm, bekanntermaßen auch nicht gerade der Sensibelste in ostdeutschen Gemütsfragen, verheimlichte seinen Unmut über Stoiber nicht. Nachtragend sind die Preußen allerdings nicht. So will der Sonderausschuss des Landtages für den Bürokratieabbau in Kürze in Bayern Erfahrungen sammeln. Und der Faschings-, Karnevals- und Gesellschaftsclub der Landesregierung namens „Narrenschiff“ will sein diesjähriges Oktoberfest auf bayerische Art gestalten: „Besucher, die im zünftigen Bayernlook erscheinen, erhalten freien Eintritt und ein Getränk gratis“, wirbt der Club. Nun werden Wetten abgeschlossen, ob Regierungschef Matthias Platzeck und sein Vize Schönbohm in Lederhosen erscheinen.

Unmut an der Basis der Potsdamer Linkspartei/PDS: Zur landesweiten „Wahl-Danke- Party“ des Landesvorstandes, für die das komplette Bowlingzentrum Potsdam-Babelsberg mit 12 Bahnen und acht Billardtischen gemietet wurde, waren nur wenige Auserwählte zugelassen. Der Vorschlag, den Kreisverbänden die Möglichkeit zu geben, besonders aktive Wahlkämpfer aus den Kreisen zur Party einzuladen, sei vom Landesvorstand verworfen worden, kann man auf der Homepage der Potsdamer PDS unter der Überschrift „Geschlossene Gesellschaft“ lesen. Begründung: „Da wurde wohl etwas falsch verstanden, wir laden persönlich ein und nur einen ausgewählten Kreis.“ Selbst auf Rückfragen von Genossen blieb die PDS-Spitze hart: „Es sind keine weiteren Gäste gewünscht.“ Zu diesen zählte nicht einmal der PDS-Wahlkampfleiter von Potsdam, der sich selbst einlud: Er sei auf 33 Gäste getroffen, vor allem Mitarbeiter der Landesgeschäftsstelle mit ihren Lebenspartnern. Hoffentlich hätten alle Plastikbeutel bei sich getragen, heißt es auf der Homepage bissig. „Es wäre schade um die Reste des Buffets gewesen.“

Sie galten bislang als unzertrennliches Duo: Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) und sein Büroleiter Gernot Schmidt: Als Fritsch Landrat in Märkisch-Oderland war, diente ihm Schmidt als Sprecher. Als Fritsch Vorsitzender der Landtagsfraktion wurde, holte er Schmidt als Geschäftsführer nach. „Jetzt werde ich verwaisen“, klagte Fritsch. Denn am 2. November soll Schmidt zum neuen Landrat in Märkisch- Oderland gewählt werden, wo er auch SPD- Kreisvorsitzender ist. Zwar ist die CDU dort stärkste Kraft. Doch haben SPD und Linkspartei PDS ein rot-rotes Bündnis geschmiedet – bislang das einzige in einem Brandenburger Landkreis. In der PDS hoffen manche, dass es zum Modell wird. PDS-Kreischefin Kerstin Kaiser, die designierte Chefin der Landtagsfraktion, ist jedenfalls des Lobes voll über den Genossen Schmidt. „Er ist umgänglich und keiner, der Intrigen schmiedet.“ Auch deshalb wird er Fritsch fehlen.

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