Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

über einen Mann und sein Auto, Geschmacksfragen im Landtag und malade Minister Finanzminister Rainer Speer (SPD) ist immer für Überraschungen gut. Jetzt tauchte er sogar in einer großen Werbeanzeige auf: In dem in Brandenburg/Havel erscheinenden Wochenblatt „Brawo“ warb ein Autohändler mit der Schlagzeile: „Rainer Speer kauft Volvo bei Stolze“. Ein Foto zeigt den Finanzminister vor seinem neuen Gefährt. Aufschlussreich ist der Werbetext. „Der 46-jährige Politiker nutzte eine Mittagspause während der Sitzung des Landtages, um seinen neuen Privatwagen vor dem ,Kreml‘ in Empfang zu nehmen“, heißt es da. Und: „Der Volvo XC 70 passt zu ihm“, denn der Allrad-Wagen sei „auf jedem Untergrund zu Hause“. Auch Speer sei „als durchsetzungsstark und kompromisslos bekannt“. Seinen „legendären Ruf als Abenteurer“ habe er sich auf „zahlreichen Rad- und Kanutouren in aller Welt erworben“. Kommentar eines Koalitionspolitikers: Speer habe es offenbar nötig, für sich selbst zu werben.

* * *

Manchmal sprechen schon Bezeichnungen für sich: Der Landtag in Dresden hat ein Restaurant, der in Potsdam nur eine „Kantine“. Über die Qualität der hier angebotenen Speisen gibt es immer wieder Klagen. Kein Wunder, dass Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) das Ärgernis in Angriff genommen hat. Er ließ Fragebögen an alle Landtagsabgeordneten und Mitarbeiter verschicken: „Wie zufrieden sind Sie mit unserer Kantine?“ Die Parlamentarier dürfen benoten, wie das Frühstück, Mittag, ja sogar das Salatangebot in der Kantine schmeckt – und Anregungen und Verbesserungsvorschläge machen. Und siehe da, Brandenburgs Parlamentarier sind weniger kritisch als gedacht: Nach der ersten Durchsicht von 146 eingegangenen Fragebögen bekommt die Kantine die Note „gut bis befriedigend“, kaum jemand findet sie besonders gut oder besonders schlecht. Ein notorischer Kritiker der Kantine reagierte nicht überrascht: „Mittelmaß isst eben Mittelmaß“.

* * *

Brandenburgs Kabinettsmitglieder sind anscheinend besonders verletzungsanfällig. So hat sich Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schon mehrmals beim Joggen verletzt. Die letzte Kabinettssitzung kommentierte ein Teilnehmer mit den Worten: „Das reinste Invalidentreffen“. Infrastrukturminister Franz Szymanski (SPD) erschien mit einem Gipsarm. Er laboriert noch an den Folgen eines Fahrradunfalls. Gerd Harms, Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten, kam wegen einer Sprunggelenksverletzung mit einer Krücke angehumpelt. Und Finanzminister Speer, der sich am Zeh verletzt hatte, schlurfte in Sandalen herein. Ein Kabinettsmitglied gab zu bedenken, ob man das offenbar erhöhte Verletzungsrisiko der Minister und Staatssekretäre im Interesse des Landes nicht durch eine pauschale Zusatzversicherung absichern lassen sollte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben