Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Manche befürchten ja, Brandenburg könnte darunter leiden, wenn Ministerpräsident Matthias Platzeck nach seiner Wahl zum Bundesvorsitzenden der SPD weniger Zeit für das Land haben wird. Doch zeigt sich schon jetzt, dass seine Aufwertung Brandenburg auch nutzen kann: So scheiterte ein Rangsdorfer Unternehmer, der in Moskau ein Logistik-Zentrum erweitern und dafür ein Grundstück kaufen will, bislang an der dortigen Bürokratie. Platzeck setzte sich in der Vergangenheit bereits zwei Mal für den Unternehmer ein – ohne Erfolg. Doch jetzt, wo sein Name oft auch in den russischen Medien erwähnt und er gar als zukünftiger Kanzler gehandelt wird, traf in Potsdam eine überraschende Nachricht aus Moskau ein: Der Grundstückskauf gehe klar.

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In Platzecks Umfeld hieß es: „Es ist frappierend, was jetzt schon möglich ist, obwohl er noch nicht einmal gewählt ist.“ Platzeck selbst wundert sich sowieso über die weltweite Aufmerksamkeit, die seine Person findet, noch bevor er überhaupt als SPD-Vorsitzender gewählt worden ist. „Ich habe mir nie träumen lassen, dass die ,New York Times’ und die ,International Herald Tribune’ ausführlich über mich schreiben“, sagte er im kleinen Kreis. Beide Blätter veröffentlichten Berichte, die Platzecks Stärken als Krisenmanager hervorheben. Finnische Zeitungen titelten, dass „ein großer Freund des finnischen Volkes an die Spitze der SPD kommt“. Tatsächlich hat Platzeck eine besondere Affinität zu dem Wohlfahrtsstaat, den er in Aufsätzen, Reden und bei Podiumsdiskussionen als Vorbild für Brandenburg gepriesen hat. Woran sonst solle sich Brandenburg orientieren, denn „auf wegweisende Ideen aus Westdeutschland können wir nicht hoffen“, so Platzecks Erklärung.

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Landtagspräsident Gunter Fritsch freut sich über eine gelungene Abwerbung: Katrin Beck, bisher Büroleiterin von SPD-Sozialministerin Dagmar Ziegler, leitet künftig sein Büro. Die Stelle wird frei, weil Vorgänger Gernot Schmidt jetzt Landrat in Märkisch-Oderland wurde. Dass seine Wahl auf die 41-jährige Beck fiel, begründet Fritsch allerdings nicht ganz wie ein Gentleman: Sie sei „gut qualifiziert“ – und „hinreichend charmant“. Zwar dürfte Ziegler nicht begeistert über den Weggang der Vertrauten sein, aber davon zeigt sich der Präsident wenig beeindruckt. Er könne ihn der Sozialministerin „nicht ersparen“, weil er selbst von seinem langjährigen Vertrauten Abschied nehmen musste, so Fritsch. Und vielleicht sind Beck und Ziegler in einigen Jahren ja wieder vereint. Die Sozialministerin war schließlich schon mal als Landtagspräsidentin im Gespräch.

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