Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Die gelegentlich unterkühlten berlin-brandenburgischen Beziehungen wurden kräftig aufgewärmt, als sich jetzt die Kabinette beider Länder zur jährlichen „Sauvesper“ im Restaurant „Linde“ in Wildenbruch trafen. Man saß bei Rotwein und Obstler gemütlich beisammen, draußen, bei eisigen Temperaturen. „Die Berliner hatten erst Sorge, dass es zu kalt wird. Aber dann waren sie vom Lagerfeuer nicht wegzukriegen“, erzählte Regierungschef Matthias Platzeck. Fürsorglich hatte Frank Szymanski, der Bauminister, jedem einen Holzbalken unter die Füße gelegt, so dass die Beine schön Richtung Hitze gelegt werden konnten. Als Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bei Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm gleich mal vorfühlte, ob er die Berliner Parteifreunde nicht aus ihrer Not erlösen und dort als CDU-Spitzenkandidat antreten wolle, bekam er eine Abfuhr. Der frühere Innensenator: „Nach Berlin gehe ich nur noch in die Oper.“

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Kabinettsmitglieder in Brandenburg leben offenbar gefährlich. Es sind inzwischen einige, die sich bei Sportunfällen verletzt haben. Regierungschef Matthias Platzeck zog sich beim Badminton einen Bänderriss zu, Verkehrsminister Frank Szymanski, brach sich bei einem schweren Fahrrad- Sturz beide Arme, Finanzminister Rainer Speer traf es am Zeh. Jetzt hat es auch Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns erwischt, der im Ski-Urlaub unglücklich fiel und am Knie operiert werden muss. „Vielleicht sollten Regierungsmitglieder auf ungefährlichere Sportarten umsteigen“, sinniert Burkhard Jungkamp, der neue Staatssekretär im Bildungsministerium. Jungkamp, der auch Sportstaatsekretär ist, geht mit gutem Beispiel voran. Er hat in seinem Büro ein Tisch-Fußballspiel aufgestellt, ein kleines Tip-Kick-Männchen samt Torwand. „Das Motto ist immer: drei unten, drei oben.“ Das habe schon manches Gespräch aufgelockert, wenn der Staatssekretär plötzlich sagt. „Jetzt wird mal eine Runde gekickt!“

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Manfred Stolpe, der frühere SPD-Bundesbauminister und einstige Ministerpräsident in Brandenburg, hat jetzt viel Zeit und Muße. Die er, der eher als Einzelgänger gilt, auch zur Wiedergutmachung in familiären Angelegenheiten nutzt, wie er jetzt aufgeräumt erzählte. „Ich habe ja 15 Jahre an meiner Familie gesündigt.“ Stolpes Familie ist groß. Sie lebt weit verstreut in der Bundesrepublik, „in Schleswig- Holstein, in Nordrhein- Westfalen, in Bayern“. Das habe mit der Vertreibung nach dem Krieg zu tun, erklärt der aus Pommern gebürtige Stolpe. Zwar sei auch zu DDR-Zeiten der Kontakt nie ganz abgerissen. Aber jetzt soll es eine Premiere geben: Manfred Stolpe bereitet ein großes Familien-Treffen vor, Pfingsten an der Ostsee. „Das Haus ist schon gemietet. Dreißig kommen bestimmt.“

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