Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Die Forderung nach dem „gläsernen Abgeordneten“ ist alt – aber der Weg, den die Linkspartei dabei jetzt geht, ist ebenso neu wie eigenwillig. Die „Mandatsträgerbefragung 2006“, die ihr Kommunalpolitisches Forum zurzeit von einer Medienagentur erheben lässt, irritiert die Landtagsabgeordneten. Zwar wird in der Umfrage Anonymität garantiert. Doch Abgeordnete anderer Fraktionen haben ihre Zweifel, wenn sie den Bogen studieren: Gefragt wird nicht nur nach „Amt/Mandat“ (z.B. „Landtag“ oder „Minister“), nach der Partei, nach der Mitgliedschaft „in welchen Ausschüssen“, sondern auch nach Geschlecht, Alter, Beruf, Familienstand, Schulabschluss und sogar nach der Postleitzahl des Wohnortes – was die Zuordnung der Parlamentarier problemlos ermöglicht. Aufschlussreich sind sicher auch Antworten auf die folgenden Fragen: „Haben Sie die Absicht, bei der nächsten Wahl wieder zu kandidieren?“ Und: „Wie qualifizieren Sie sich für Ihre Tätigkeit?“

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Was man aus Anfragen von Parlamentariern über Brandenburg lernen kann, illustrierte jetzt die SPD-Abgeordnete Ingrid Siebke: „Die Schere zwischen schlanken und dicken Kindern“ werde „immer größer“, und „dicke Kinder werden immer dicker“, formulierte sie. Siebke schlussfolgerte, dass dies mit der mangelnden Vermittlung von Wissen „über den Ursprung unserer Lebensmittel“ an den Schulen zu tun haben könnte – und bombardierte das Schulministerium mit Fragen. Doch laut der Regierungsantwort, die eine lange Liste mit Auszügen aus Lehrplänen enthält, wird im märkischen Unterricht sogar verdächtig oft über das Essen geredet – selbst in Fächern wie Sport, Geografie und Deutsch. Auch die logische These Siebkes, „Bildung beugt Übergewicht vor“, wird nicht bestätigt. „In keiner der Studien wird ein Zusammenhang von Übergewicht und schlechtem Informationsgrad von Kindern und Jugendlichen gesehen.“ Vielleicht ist es in Brandenburg ja umgekehrt: Wenn zu viel übers Essen geredet wird, wächst der Appetit.

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