Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Lothar Bisky, der Bundesvorsitzende der Linkspartei, ließ sich jetzt wieder mal in Potsdam blicken – auf einem Empfang seiner Genossen. Das kommt selten vor, obwohl Bisky vor seinem Wechsel in den Bundestag fast eineinhalb Jahrzehnte die Landtagsfraktion prägte. Entzugserscheinungen nach Brandenburg hat Bisky keine – mit einer kleinen Ausnahme: „Jeden Dienstag wache ich auf und wundere mich: Eigentlich müsste ich doch heute in Potsdam sein.“ Schließlich sei er seit 1990 wohl keinen Dienstag – an diesem Tag kommen die Fraktionen zusammen – nicht in Potsdam gewesen. Ansonsten urteilt Bisky nachträglich milde über das Provinzparlament, wo ihn früher mancher Kleingeist nervte. Er sei eher über das intellektuelle Niveau des Bundestages erschüttert, gestand er. „Da gibt es nicht unbedingt mehr Bildung, aber mehr Einbildung.“ Man sei von mehr Wichtigtuern umgeben. Wer Bisky kennt, weiß: Die Links-Fraktion schließt das mit ein.

* * *

Der Bundesrat kippte jetzt einen Plan des Bundesverkehrsministeriums, in Deutschland einen TÜV für Fahrräder einzuführen: Brandenburgs Nein kam von Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU), der das 30-Seiten-Papier studiert hatte – und fassungslos war. „Das ist Bürokratie pur.“ Allein auf drei Seiten sollte geregelt werden, wie „lichttechnische Einrichtungen an Fahrrädern“ beschaffen sein müssten. Oder: Ein Fahrrad dürfe „nur in Betrieb“ genommen werden, „wenn es mit einer am Lenker angebrachten helltönenden Glocke ausgerüstet ist.“ In Deutschland darf also nur geklingelt, aber nicht gegongt werden? Großzügig wollte sich das Ministerium dafür bei Fahrrädern aus EU-Ländern zeigen. Die sollten von der Vorschrift abweichen dürfen – wenn sie im Herkunftsland „rechtmäßig in den Verkehr“ gebracht wurden. Was im Umkehrschluss eine gewisse Logik hätte: Für geklaute Räder aus dem Ausland hätte die Ausnahme nicht gegolten. Aus Freude über den besiegten Amtsschimmel dichtete Junghanns: „Die Pedalritter haben sich durchgesetzt und die Bürokraten vom Gepäckträger gestoßen.“

* * *

Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hat sich seit Mittwoch im Schützenhaus in Lenzen einquartiert: Er koordiniert auf den Elbdeichen die Einsatzkräfte, und hofft auf ein glückliches Ende des Hochwassers. Persönlich hatte er vorher gleich doppeltes Pech: Ehe sich Woidke in die Prignitz aufmachte, scheiterte er mit dem ersten Versuch, den Jagdschein abzulegen: Er fiel durch die Schießprüfung. „Mir fehlten zwei Ringe. Der laufende Keiler war wohl zu schnell.“ Sein einziger Trost: 60 Prozent des Kurses hätten sein Schicksal geteilt und setzen nun auf die Nachprüfung im Mai. Die zweite Unbill traf den Minister jüngst auf dem Weg nach Mühlberg, wo er mit Innenminister Jörg Schönbohm die Deiche inspizieren wollte. Woidke fuhr selbst. Um unbedingt pünktlich zu sein, drückte er auf der Autobahn so sehr aufs Gas, dass er prompt geblitzt wurde. Er war noch vor Schönbohm da, dem das nicht passieren konnte: Der nahm den Hubschrauber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar