Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Von Brandenburgs Ministern ist nicht viel zu vernehmen – Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) ausgenommen. Dass die meisten Ressortchefs ziemlich unbekannt sind, liegt auch an mangelnder Medienpräsenz. Ablesen kann man das in „Google News“ im Internet, der die aktuellen Erwähnungen in Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften auflistet. Danach ist Schönbohm mit 1650 Treffern Rekordhalter, gefolgt von Regierungschef Matthias Platzeck mit 1090 Treffern. Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU), die Nächstplatzierte, bringt es gerade einmal auf 107 Treffer, Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) auf 102. Noch schlechter schneiden die SPD-Minister ab. Schlusslicht ist aber Justizministerin Beate Blechinger (CDU), die nur zwölf Mal erwähnt wird. Kritiker in der Union nennen sie „die große Unbekannte im Kabinett“. Blechinger selbst argumentierte einmal, dass ein guter Justizminister nicht oft in der Zeitung stehe.

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Eigentlich hatte der Landrat von Spree-Neiße Dieter Friese (SPD) die einmalige Gelegenheit, beim Besuch des Regierenden Bürgermeisters von Berlin Klaus Wowereit und dem ihn begleitenden Journalistentross vergangene Woche kräftig die Werbetrommel für die geplagte Lausitz-Region zu rühren. Stattdessen referierte Friese im Reisebus in epischer Länge über die Geschichte der Lausitz, beginnend in der Bronzezeit, über die Völkerwanderung bis zu den napoleonischen Befreiungskriegen und verlor sich im Klein-Klein. Wowereit selbst ließ sich, wie es sich für einen Gast gehört, nichts anmerken. Dafür konnte Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune kaum an sich halten. Als Friese („Kein Landrat hat so einen Überblick über Berlin-Brandenburger Probleme wie ich!“) auch noch seine Dezernenten zu langweiligen Vorträgen ans Mikro holte, stöhnte Braune vernehmbar: „Das ist doch alles gequirltes Gequatsche.“

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