Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Beinahe wäre Brandenburgs Landeshaushalt, den das Kabinett vorige Woche beschlossen hat, noch einmal verändert worden – mit einem saftigen Nachschlag zugunsten der Etats von Agrarminister Dietmar Woidke und Infrastrukturminister Frank Szymanski. Als Woidke seinen Kabinettskollegen auf einem Empfang im Schloss Lindstedt erblickte, winkte er ihn mit Verschwörermiene beiseite: „Guck mal, was ich hier habe – das Handy von Rainer Speer.“ Der ahnungslose Finanzminister qualmte ein paar Tische weiter seelenruhig eine Zigarre, als die beiden Genossen ihren Plan ausheckten: „Wir rufen jetzt mit seinem Minister-Handy im Finanzministerium an und lassen noch schnell ein paar Zahlen nach oben ändern“, sagten sie und rieben sich die Hände. Doch in letzter Minute, typisch, haben die beiden dann doch gekniffen. Mit dem mächtigen Finanzminister will es sich im Kabinett eben doch niemand verderben.

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Ja, es gibt viel Gemeinheit auf dieser Welt, sogar die letzte Sitzung der PDS-Landtagsfraktion ist von diesem Thema überschattet worden. Die Genossen nahmen Anteil an einem Schicksalsschlag, der den jungen Abgeordneten Torsten Krause ereilt hatte. Diesem war „Nelson“ geklaut worden, ein quirliger Jack Russel. Krauses Fraktionskollegen hatten Verständnis, dass er via Handy die Großfahndung nach dem verschwundenen Liebling steuern musste. Aber nicht nur, weil man mit ihm litt, fiel die Debatte über den Absturz der PDS in der Wählergunst dürftig aus. Fraktionschefin Kerstin Kaiser gab gleich zu Beginn die offizielle Linie vor: Es habe sich ja um eine von der SPD in Auftrag gegebene Umfrage gehandelt. Zwar mangelt es an Selbstkritik und schonungsloser Analyse, dafür ist man für das Sommerloch bestens gerüstet: Mit einem detaillierten Zwei-Monats-Plan für Pressekonferenzen im Drei-Tage-Takt bis Ende August will die PDS in die politische Offensive gehen.

Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) hat die Liebe aus dem Oderbruch nach Brandenburg an der Havel verschlagen. Inzwischen ist er dort schon ein echter Lokalpatriot. Beim jüngsten Treffen der Parlamentspräsidenten in Bremen ließ Fritsch jedenfalls nichts auf die alte Chur- und Hauptstadt der Mark kommen. Beim Rundgang durch die Hansestadt warf Fritsch einen abschätzenden Blick auf den dortigen Roland – und wettete dann mit dem Bremer Parlamentspräsidenten: „Unser Brandenburger Roland ist größer“. Leider hatte er Pech: Das Bremer Wahrzeichen ist 5,47 Meter groß, der in Brandenburg selbst bei großzügigsten Messungen nur 5,37 Meter. Fritsch nahm die Niederlage sportlich: „Da der Wetteinsatz eine Einladung nach Brandenburg war, freue ich mich auf den Gast.“ Ein Trost für Fritsch: In Reiseführern wird Brandenburgs Roland als der schönste in Deutschland beschrieben.

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Wer im Glashaus sitzt, sollte lieber nicht mit Steinen werfen – CDU-Justizministerin Beate Blechinger musste diese alte Erfahrung auf der jüngsten Vorstandssitzung ihrer Landtagsfraktion machen, wo sie mit der „Auswertung der politischen Lage“ an der Reihe war: Als die Ministerin kritisierte, dass während der letzten Landtagssitzung die Abgeordnetenreihen der Union arg gelichtet waren, reagierte Fraktionschef Thomas Lunacek leicht säuerlich. Er klappte seinen Nokia-Organizer auf und reichte ihn herum: Auf dem Display prangte ein gestochen scharfes Foto der linken Regierungsbank, das Lunacek während eben jener Sitzung des Parlamentes heimlich aufgenommen hatte. Die Plätze, auch der von Beate Blechinger, waren leer. Nur Staatssekretäre und andere Beamte saßen auf der hinteren Reihe. „Es herrschte Heiterkeit, und das Thema war für Blechinger beendet“, berichtete ein Teilnehmer der Sitzung später.

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