Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Die Cottbuser SPD hat die Abwahl der Oberbürgermeisterin Karin Rätzel (parteilos) eifrig mit betrieben. Doch das konnte Ministerpräsident und SPD-Landeschef Matthias Platzeck nicht abhalten, die viel Gescholtene persönlich mit einem Blumenstrauß zu verabschieden. „Sie hat etwas versucht, es hat nicht geklappt", so sein nüchternes Fazit. Weil man „vernünftig miteinander umgehen sollte", hatte er Rätzel angerufen: „Darf ich schnell mal vorbeikommen?“ Natürlich durfte er. Die 59-Jährige empfing ihn hoch erfreut an der Rathaustür. Beide sprachen eine halbe Stunde miteinander, auch über „einige vertrauliche Dinge", so die Ex-Oberbürgermeisterin. Näheres verrät sie nicht. „Platzeck macht sich halt auch Sorgen um die Stadt.“ Für Rätzel ist der spontane Besuch Platzecks ein Beispiel für guten politischen Stil.

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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sorgt sich um das Liebesleben der Polizisten im Land. Die Internetapotheke, die man über die GdP-Homepage erreicht und die sich als „Kooperationspartner der GdP Service GmbH Brandenburg“ bezeichnet, wirbt an prominenter Stelle für ein „Produkt des Monats“: „Femi-X“, nach Viagra die erste Sexpille für Frauen. Lang und breit wird erklärt, dass die Lustpille auf pflanzlicher Basis das Verlangen bei Frauen steigert und für intensive Orgasmen sorgt. 94 Prozent der Probandinnen hätten angegeben, dass ihr Sexleben jetzt befriedigender sei. Wie begehrt die Lustpille für die Frau in der märkischen Polizei ist, weiß GdP-Landeschef Andreas Schuster zwar nicht, eins aber doch: „Die Internetapotheke wird hervorragend angenommen - wegen der günstigen Preise.“ Aber da „familienpolitisch im Land ja ohnehin einiges passieren soll“, findet Schuster das Angebot in Ordnung. „Warum soll es das nur für Männer geben?“

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Anders als auf Bundesebene funktioniert die rot-schwarze Koalition in Brandenburg zurzeit geräuschlos. Zwar gibt es mal Streit wie jetzt um die Verteilung von fast zwei Milliarden Euro aus Brüssel. Doch der Koalitionsausschuss fand am Dienstag schnell einen Kompromiss. CDU-Landeschef und Innenminister Jörg Schönbohm nutzte die Gunst der Stunde, um gleich ein weiteres heißes Eisen anzusprechen: die geplante Novelle der Kommunalverfassung, bei der SPD und CDU in einigen Fragen über Kreuz liegen. Doch sah Regierungschef Platzeck keine Möglichkeit, der CDU wie kürzlich beim Ringen um die Direktwahl der Landräte entgegenzukommen. Schönbohm tröstete ein viel sagender Nachsatz Platzecks: „Das klären wir bei den nächsten Koalitionsverhandlungen.“ Die PDS, die 2009 mitregieren will, wird das nicht gern hören.

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