Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Die CDU im Land will neuerdings als Familienpartei punkten. Das ist der SPD, die dies schon länger reklamiert, natürlich suspekt. Im direkten Vergleich haben die Genossen derzeit aber schlechte Karten: Mit dem von der CDU-Fraktion vorgelegten Tempo zur Steigerung der Geburtenrate könnte Brandenburg glatt sein demografisches Problem lösen: Zuerst wurde Anfang Juli der Bildungspolitiker Ingo Senftleben Vater, ein paar Tage später Generalsekretär Sven Petke, und auch beim CDU-Abgeordneten Wieland Niekisch hat sich Nachwuchs angesagt – in zwei Wochen ist es so weit. Landeschef Jörg Schönbohm hat eine Erklärung für den Babyboom: „In der Union gilt eben das Motto: Sich regen bringt Segen.“

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Ein bisschen ist es verkehrte Welt. Die Männer in der Union kümmern sich um Nachwuchs, während zwei CDU-Politikerinnen dem Vaterland in Uniform dienen: Die parlamentarische Geschäftsführerin Saskia Funck und die Vizefraktionschefin Barbara Richstein absolvieren gerade bei der Bundeswehr in Hammelburg eine Informations-Wehrübung. Mit allem, was dazugehört: Marschieren, Robben durchs Unterholz, Schießen, und das eine ganze Woche lang. Als Richstein dem Fraktionsbüro dieser Tage durchtelefonierte, dass es ihr gut gehe, wurde das Gespräch plötzlich von einem gellenden Pfiff im Hintergrund unterbrochen. „Ich muss aufhören, der Gruppenführer pfeift.“ Die beiden werden einiges mit nach Hause nehmen können, um für das kommende Ende der Schönbohm-Ära in Brandenburgs Union gerüstet zu sein: Es werden Grabenkämpfe erwartet.

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Wie schwer es ist, eine verlorene Tradition wiederzubeleben, muss gerade Dietlind Tiemann, Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg, erleben. Für ihren Vorstoß, dem Oberhaupt der Havelstadt künftig wieder eine Amtskette umzuhängen, erntet die Christdemokratin viel Kritik. Die PDS schätzte die Kosten des neu anzuschaffenden Schmuckstücks flugs auf 10 000 Euro, stellte die Armut der Stadt dagegen und machte Tiemann gleich noch ein vergiftetes Kompliment: Die Oberbürgermeisterin sei doch so hübsch, dass sie gar keine Kette brauche.

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