Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Es erinnert an DDR-Zeiten und ist in der PDS-Landtagsfraktion Tradition: Wann immer die Genossen sich zu Klausuren zurückziehen, gehört ein „Kulturprogramm“ dazu. So auch diesmal, als man sich im Landhotel Lübbenau den Kopf über ein eigenes Brandenburger Leitbild zermarterte, das besser als das der Landesregierung werden soll. Nach der schweren politischen Tageskost unterhielt am Abend der Strausberger Künstler Jörg Kokott, früher Mitglied der Ost-Gruppe „Wacholder“, die Genossen mit einem Heine-Programm. Sein Auftritt sei gut gewesen, hieß es in der Fraktion. Trotzdem fand es mancher nicht glücklich, dass Kokott für rund 300 Euro Honorar engagiert worden war: Er ist der Lebensgefährte von Fraktionschefin Kerstin Kaiser.

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Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) ist nicht gerade dafür bekannt, sich auf das Parkett großer Politik zu wagen. Umso mehr überraschte er, offenbar inspiriert von einer Wanderung durch den Naturpark Stechlin-Ruppiner Land im märkischen Norden, mit einem föderalen Vorstoß für eine Fusion – ohne Berlin: „Wenn schon ein gemeinsames Bundesland, dann zuerst mit Mecklenburg-Vorpommern.“ Sein Argument: Mecklenburger und Brandenburger seien sich „mental viel näher als Berliner und Brandenburger“. Bei Parteifreunden löste der Vorstoß Kopfschütteln aus. Der Kommentar von Generalsekretär Klaus Ness: „Das ginge nur mit Neuruppin als Landeshauptstadt.“

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Beim Betriebsausflug von Brandenburgs Generalstaatsanwaltschaft durch den Spreewald musste der Bus kurz hinter Burg plötzlich anhalten. Auf der Fahrbahn lag ein Rucksack. Das Landeskriminalamt wurde nicht alarmiert, Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg untersuchte das Gepäckstück kurzerhand selbst – und gab bald Entwarnung. Auch die Rückgabe organisierte er via Handy. Zehn Minuten später konnten in Straupitz eine Mutter und ihre Tochter das verlorene Hab und Gut in Empfang nehmen.

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Um die Pflege der brandenburgisch-russischen Beziehungen kümmerte sich Landtagspräsident Gunter Fritsch, der Parlamentarier aus Kaliningrad betreute. Er begrüßte die Gäste mit Wodka und bekannte launig, dass verschüttete Sprachkenntnisse mit hochprozentiger Hilfe leichter aus den Untiefen des Gedächtnisses hervorgeholt werden können: „Je mehr Wodka man trinkt, umso eher fallen einem die russischen Vokabeln wieder ein.“ Jedenfalls sprach Fritsch bemerkenswert gut Russisch – und regte gleich noch die Wiederbelebung der „Russisch-Olympiade“ an, den aus DDR-Zeiten bekannten Sprachwettbewerb. Den Kaliningradern gefiel’s. Sie revanchierten sich mit einem Kompliment für das Besuchsprogramm. „Ihr Apparat funktioniert wie ein Schweizer Uhrwerk.“

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