Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Manche wundern sich, warum sich die Links-Opposition im Email-Skandal um CDU-Generalsekretär Sven Petke bislang so zurückhielt, obwohl der konservative Provokateur immer ein rotes Tuch für die Genossen war. Hängt es womöglich damit zusammen, dass Petke hinter den Kulissen an der Cottbuser PDS-CDU-Allianz mitgebastelt hat? In der Partei ist das jedenfalls ein offenes Geheimnis. Oder kommt die Opposition mal wieder nicht aus dem Mustopf? Der PDS-Innenexperte Hans-Jürgen Scharfenberg verriet in kleiner Runde, dass die Zurückhaltung taktische Gründe hat: So habe er eine fertige, scharf formulierte Presseerklärung bewusst nicht verschickt, sagte Scharfenberg. „Das hätte in der CDU nur wieder zu Solidarisierungsreflexen für Petke geführt." So wie bei früheren Affären, aus denen sich Petke immer habe herauswinden können. Ganz schön clever die Genossen. Nächste Woche will Scharfenberg trotzdem die Affäre mit einer Kleinen Anfrage zum Thema im Landtag machen.

Aus seiner Genugtuung macht er keinen Hehl: Peter Michael Diestel, Anwalt, letzter DDR-Innenminister und früher einmal CDU-Fraktionschef im Brandenburger Landtag, hat in einer Auseinandersetzung mit dem 1976 von der SED ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann einen kleinen Sieg davongetragen: Die Staatsanwaltschaft habe in aller Stille ihre Berufung gegen ein Urteil des Potsdamer Amtsgerichtes zurückgezogen, das Diestel vom Vorwurf der Anstiftung zur uneidlichen Falschaussage in einem früheren Verfahren freigesprochen hatte, erzählt er. Das Treffen der beiden, um das es bei dem Streit ging, liegt 16 Jahre zurück. Biermann hatte bislang immer erklärt, Diestel habe ihm angeboten, günstig eine Immobilie zu besorgen – worauf dieser Biermann verklagte: Der Liedermacher habe um eine frühere Stasi-Villa gebeten. Zwar kommentierte Diestel seinen nun rechtskräftigen Freispruch locker: „Ich bin zwar der Intimfeind von Wolf Biermann. Aber er ist nicht meiner." Zivilprozesse gegen Biermann wegen Verleumdung will er aber trotzdem führen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben