Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Hat jetzt auch die märkische SPD ein Problem mit dem Datenschutz? Die frühere Vizefraktionschefin Esther Schröder beklagte sich jedenfalls auf der letzten Fraktionssitzung darüber, dass ein an sie gerichteter vertraulicher Brief eines Bürgers im Postzimmer der SPD-Fraktion verschwunden sei. In den Posteingangsbüchern des Landtages ist das Schreiben noch registriert, dann verliert sich seine Spur. Fraktionsgeschäftsführer Thomas Kralinski ist das Ganze unangenehm. „So etwas ist in den letzten 15 Jahren noch nie passiert. Wir haben überall gesucht, sogar hinter den Schränken.“

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Im Landtag ist Heinz Vietze der dienstälteste parlamentarische Geschäftsführer einer Fraktion, in der PDS gilt er als die „graue Eminenz“: Doch jetzt hat er angekündigt, dass er sich im nächsten Jahr von herausgehobenen Ämtern zurückziehen und nur einfacher Abgeordneter bleiben wird. Das 60. Lebensjahr sei dafür der richtige Zeitpunkt, wenn man erst mit 70 abtrete, sei eine Eigendynamik nicht auszuschließen. Womit er auf die Eruptionen in der CDU anspielte, die der für 2007 angekündigte Rückzug des 69-jährigen Parteichefs Jörg Schönbohm ausgelöst hat. „Je älter man wird, desto mehr wächst der Glaube an die eigene Unersetzbarkeit“, philosophierte Vietze.

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Brandenburgs SPD orientiert sich an einem afrikanischen Vorbild. Generalsekretär Klaus Ness betreute dieser Tage eine Delegation aus Tansania, die ihn tief beeindruckte. „Eigentlich wollten sie von uns lernen, wie wir mit Schwarzarbeit umgehen“, erzählte Ness gut gelaunt. „Aber dann war ich es, der etwas gelernt hat.“ Die Genossen aus Tansania konnten ihm von triumphalen Erfolgen ihrer Partei berichten, die selbst Ness – er hatte den siegreichen SPD-Landtagswahlkampf 2004 gemanagt – nur neidvoll erblassen lassen. In einem Land von 38 Millionen Einwohnern zähle die dortige Partei 3,5 Millionen Mitglieder. Im Parlament stelle sie 89 Prozent der Sitze. Ness’ Kommentar mit Blick auf kommende Wahlen: „Man muss sich große Ziele stellen.“

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