Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Die anfangs nicht unumstrittene PDS-Fraktionschefin Kerstin Kaiser führt zurzeit Einzelgespräche mit Abgeordneten ihrer Fraktion – sie will die Stimmung testen. Dabei fiel aufmerksamen Genossen das ungewöhnliche Ausstellungsstück in der Vitrine in ihrem Büro auf: ein kuschliges Plüschtier, das in den Armen ein Foto hält. Nicht etwa mit dem Konterfei von Lothar Bisky, dem PDS-Bundesvorsitzenden und früheren Fraktionschef, dem manche noch nachtrauern. Nein, ein Foto ausgerechnet von Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). PDS-Genossen werteten das als Bestätigung für rot-rote Ambitionen Kaisers. Doch die dementierte: Das Plüschtier habe sie auf einer Demo von Kindern geschenkt bekommen, und das Platzeck-Foto habe man ihr als Beispiel hingelegt, sich doch auch Autogramm-Postkarten anfertigen zu lassen. Dass beides in der Vitrine aufgestellt wurde, sei wohl „der Streich eines Mitarbeiters“.

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Keine Frage, die Krise der märkischen CDU hat auch ihre guten Seiten, jedenfalls für die SPD. Im Landtag „funktioniert die Zusammenarbeit so gut wie lange nicht mehr“, stellen SPD-Abgeordnete fest. „Alles läuft ruhig und reibungslos, völlig entspannt, ohne die sonst üblichen Reibereien aus Profilierungssucht.“ Man kann nur vermuten, dass sich die deprimierten Christdemokraten weiteren Stress ersparen wollen. Vielleicht sorgen sie sich auch, dass die SPD in die offenen Arme der PDS getrieben werden könnte. Jedenfalls fällt auf, dass auch der über die E-Mail-Affäre gestürzte CDU-Generalsekretär und innenpolitische Sprecher Sven Petke entgegen seinem früheren Stil auf jedwede Nadelstiche gegen den Koalitionspartner verzichtet. Er sei „handzahm, ist um gute Stimmung bemüht“, konstatieren SPD-Politiker: „Schließlich muss er, falls er zum neuen CDU-Vorsitzenden gewählt werden sollte, mit uns zusammenarbeiten.“

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Kaum aufgestellt, ist das Gedenkschild am früheren Grenzübergang Dreilinden schon ein Stein des Anstoßes. Ministerpräsident Matthias Platzeck, Berlins Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) und Rainer Eppelmann (CDU) von der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatten es feierlich zum Jahrestag des Mauerfalls eingeweiht. Es zeigt die Mauer und einen Grenzwächterturm, darunter steht: „Deutsche Teilung 1945–1990“. Historiker sind irritiert über die Jahresangabe „1945“. Hans Misselwitz, neun Jahre Leiter der Landeszentrale für politische Bildung in Brandenburg, sagt: „Das ist historisch falsch.“ Zudem werde der Eindruck erweckt, als ob die Alliierten 1945 die Teilung Deutschlands beschlossen hätten. Auch der CDU-Politiker Wieland Niekisch, von Hause aus Historiker, stellt fest: „Korrekt müsste es 1949 bis 1990 lauten.“ In dieser Zeit habe es zwei deutsche Staaten gegeben, von denen dann einer zusammenbrach.

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