Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner

Manche nennen die Neubesetzung der Rechnungshofspitze Brandenburgs eine Farce – wegen der illustren Kandidaten. Bekannt wurden eine durch Parteifilz-Vorwürfe beschädigte SPD-Abgeordnete, die Ehefrau des FDP-Landesvorsitzenden, ein pensionsreifer Richter aus Nordrhein-Westfalen und ein Landesbeamter, der ins Gerede kam, weil er auf seinem Grundstück in Ziegenhals eine Thälmann-Gedenkstätte schleifen ließ. Jetzt hat auch Andreas Müller, Richter am Amtsgericht Bernau und bekannt durch ein Urteil zur Haschisch-Freigabe, eine Bewerbung eingereicht – als Satire zum Verfahren: „Auch ich möchte am Postengeschacher teilnehmen.“ Er sei in der Lage, den Haushalt seiner vierköpfigen Familie „hinsichtlich der Ausgaben und Einnahmen ordentlich zu führen“. Sein Schreiben an den Landtagspräsidenten endet: „In der Hoffnung auf weitere Konkurrenzbewerbungen von parteilosen Personen, die tatsächlich über Erfahrungen in der Finanzverwaltung verfügen.“

Brandenburgs Polizisten treiben aus Protest gegen die Regierungspläne zur Kürzung des Weihnachtsgeldes keine Verwarngelder mehr ein – angeblich. Oder sind das nur leere Drohungen? Als Regierungssprecher Thomas Braune am Donnerstag gegen 23 Uhr von der Kneipe durchs menschenleere Babelsberg nach Hause radelte, Handy am Ohr, in der Leitung Ministerpräsident Platzeck, kannte die Staatsgewalt kein Erbarmen. Braune wurde von einer Polizeistreife gestoppt und kontrolliert. Auch dass der Alkoholtest nach vier Bieren nur 0,3 Promille auswies, nützte nichts: Fürs Handy-Telefonieren beim Radfahren kassierten die Beamten 25 Euro. Zwar erinnerte Braune sie an die Weihnachtsgeld-Proteste: „Ich denke, Sie machen Dienst nach Vorschrift!“ Die Antwort, die dem Ex-Journalisten dann doch die Sprache verschlug: „Sie müssen ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Sie doch nicht.“

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