Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Michael Mara

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) dürfte sich dafür interessieren: Ihr „Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG)“, seit Jahresanfang die Grundlage für das neue Elterngeld, wird gerade kritisch unter die Lupe genommen, und zwar auf Punkt und Komma. Kein Geringerer als Clemens Appel, Staatskanzleichef von Ministerpräsident Matthias Platzeck und früher Vizepräsident des Landesarbeitsgerichtes, schreibt einen längeren Kommentar über das Gesetz: „Jedes Wochenende, von morgens bis abends“, stöhnte der Jurist dieser Tage. Der Druck sei groß, denn Abgabetermin für die 100 Seiten ist der 11. Februar. Er habe, so verriet Appel erfreut, schon „einige handwerkliche Fehler festgestellt“. Von der Leyen weiß noch nichts davon, wird es aber bald nachlesen können.

Brandenburgs CDU beginnt sich nach den heftigen Machtkämpfen der letzten Wochen bereits von der Hinterlassenschaft des früheren Vorsitzenden Jörg Schönbohm zu trennen: Der von diesem nach dem Einstieg der CDU in eine Koalitionsregierung mit der SPD im Jahr 2000 nach bayerischem Vorbild eingeführte „politische Aschermittwoch“ fällt aus – erstmals nach sieben Jahren. Der neue Parteichef Ulrich Junghanns konnte sich dem Vernehmen nach nicht dafür erwärmen. Und offenkundig legt auch sein auf dem Wahlparteitag in Frankfurt (Oder) nur knapp gescheiterter Herausforderer Sven Petke keinen gesteigerten Wert darauf. Ein Petke-Mann: „Schönbohm hat ihn doch sowieso nur zur Selbstdarstellung genutzt.“

Einige Abgeordnete konnten ihre Verblüffung nicht verbergen, als ein halbwüchsiger Schüler einer zehnten Schulklasse der Oberschule Schwanebeck während der vergangenen Landtagssitzung laut und vernehmlich verkündete: „Matthias Platzeck ist mein Vater.“ Bisher war nur bekannt, dass der 53-jährige Ministerpräsident und SPD-Landeschef drei längst erwachsene Töchter hat. Von einem Sohn, am Ende gar noch einem unehelichen, wusste niemand etwas. Die SPD-Abgeordnete Klara Geywitz fragte denn auch sofort nach, aber der Schüler, der mit seiner Klasse die Landtagssitzung verfolgte, bekräftigte ausdrücklich, dass er der Sohn Platzecks sei. So stürzte Geywitz zur Regierungsbank, um Platzeck zu informieren. Doch der blieb cool und fragte nur: „Wie sieht er denn aus?“ Als der Schüler ihm auch noch zuwinkte, reagierte der Regierungschef lachend mit leichter Drohgebärde. Der Junge war ein Aufschneider.

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