Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über Platzecks Fehlstart nach Rumänien

Thorsten Metzner

Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) konnte sich auf seiner jüngsten Rumänien-Reise in seiner Haltung bestätigt sehen, den Flughafen Tempelhof für den neuen Großflughafen BBI in Schönefeld zu schließen. Zwar startete die Brandenburger Delegation ausgerechnet vom wenig gelittenen Tempelhof mit einer Chartermaschine: Doch die war kaum abgehoben und gerade ein paar Minuten in der Luft, als es schon wieder nach unten ging: Man landete auf dem Flughafen Schönefeld, um die Maschine noch einmal aufzutanken. Als Grund für den seltsamen Kurzflug wurde den Rumänien-Reisenden Folgendes erklärt: In Tempelhof könne die Maschine nicht voll getankt starten, weil sie dann zu schwer für die kurze Startbahn wäre. Merkwürdig nur, warum man nicht gleich in Schönefeld gestartet ist.

Über Musikgeschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten: Justizministerin Beate Blechinger offenbarte sich jetzt als Fan des Schlagersängers Salvatore Adamo. Die Christdemokratin, die letzte Woche 60 wurde, hörte auf dem Geburtstagsempfang nicht nur viel Lob für ihre betont unauffällige Amtsführung (die gelegentlich auch kritisch gesehen wird). Blechinger bekam auch eine deutschsprachige CD des belgischen Weltstars geschenkt, nach der sie voriges Jahr am Rande einer Brüssel-Reise des Kabinetts noch vergeblich gesucht hatte. Sie wisse schon, dass Adamos Musik „ziemlich schnulzig“ sei – ihr gefalle sie trotzdem, bekannte Blechinger und hatte sogar einen DDR-Witz über den Sänger parat: Adamo sei auch in der DDR zunächst wohlgelitten gewesen, bis Erich Honecker die Musik verboten habe. Er habe Adamos größten Hit als persönlichen Angriff auf ihn gesehen: „Es geht eine Träne auf Reisen.“

Er kann es einfach nicht lassen: Christoph Schulze, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, reibt sich in einem kommunalen Kleinkrieg auf. Schulze, auch SPD-Chef in Teltow-Fläming, liegt seit Ewigkeiten in einem Dauerclinch mit der Bürgermeisterin von Zossen. Jetzt macht er den sogar zum Thema im Landtag: Er will von der Regierung wissen, wann Kommunalbeamte vor Gericht klagen dürfen. Die kleine Anfrage formuliert er wie folgt: „Die Bürgermeisterin der Stadt Zossen ist dadurch überregional bekannt geworden, dass sie zum einen immer Recht hat, denn sie war ja mal Rechtsanwältin, und dass sie eine Klagewut hat, das heißt, jeder, der nicht macht, was sie fordert, wird verklagt.“ Da schütteln selbst die eigenen Genossen nur mit dem Kopf: „Das schadet seiner Reputation.“

In der Brandenburger Union wird darüber geklagt, dass es der SPD-Landtagsfraktion an klarer Linie fehle – und deshalb die Haltung der Sozialdemokraten zu manchen Fragen, etwa zur Reform der Kommunalverfassung, oft diffus sei. Aber die Genossen bemühen sich zumindest um enge Abstimmung – mit Hilfe moderner Technik. Am Freitagmorgen jedoch ging die geplante Telefonschaltkonferenz der SPD-Führung schief. Alle wählten brav die gewohnte Nummer – aber die gemeinsame Leitung kam nicht zustande. Es lag am Streik der Telekom-Beschäftigten. Ob der auch der Grund dafür ist, dass man die Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft seit Tagen nicht telefonisch erreichen kann – „Kein Anschluss unter dieser Nummer“ –, das weiß auch Generalstaatsanwalt Erardo Rautenberg nicht. „Es kann ebenso sein, dass der Vermieter einfach den Anschluss gekündigt hat.“ Rautenberg nimmt die Panne aber erstaunlich gelassen: „Die Staatsanwälte sagen: Endlich können wir mal in Ruhe arbeiten.“

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