Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über schießwütige Koalitionäre, einen Vogelliebhaber im Finanzministerium und Sklavenhandel in den ehemaligen Kolonien Brandenburgs

Thorsten Metzner

Die Antwort von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) auf die parlamentarische Anfrage liest sich so, als wäre diese von der Opposition gestellt geworden – was beinahe stimmt: Die beiden linken SPD-Abgeordneten Jens Klocksin und Andreas Kuhnert wollten wissen, wie die Regierung die „Brandenburgische Landnahme in Afrika“ vor 325 Jahren begehen will. 1683 hatten preußische Soldaten in Westafrika den Grundstein zur Festung Großfriedrichsburg gelegt. „Damit versuchte sich Brandenburg als erstes deutsches Land als Kolonialmacht und war aktiv am Sklavenhandel beteiligt“. Die Regierung, so Wanka spitz, habe „nicht die Absicht“, dieses Jubiläum „gesondert zu begehen“. Sie stelle es aber „den Fragestellern anheim, von sich aus auf das Datum aufmerksam zu machen.“ Überhaupt spielte Brandenburgs Afrikakolonie in der Erinnerungskultur, aber auch an Schulen und Hochschulen „keine besondere Rolle“, so Wanka. Und ob zu dem Thema an märkischen Hochschulen geforscht wird, sei „Freiheit der Wissenschaft“ und „entzieht sich insoweit kleinteiliger Beobachtung durch die Landesregierung.“

Das hätte ihm niemand zugetraut: Rainer Speer, der raubeinige SPD-Finanzminister, bewahrte jetzt tausende Rabenvögel vor dem finalen Todesschuss. Auf Wunsch der Christdemokraten wollte die SPD/CDU-Koalition eine „Bejagungsmöglichkeit für Krähen und Elstern“ einführen, weil diese „ausgemachte Nesträuber“ seien und selbst „die Junghasen in ihrem Bestand“ dezimieren würden. Alles war in den Arbeitskreisen, ja sogar in beiden Fraktionsvorständen von CDU und SPD schon abgestimmt. Doch Speer, früher einmal Umweltstaatssekretär, legte sich in der SPD-Fraktion völlig unerwartet und mit Verve für die bedrohten Allerweltsvögel ins Zeug. „So einen überflüssigen Antrag hat es noch nie gegeben“, teilte er aus. „Das sind nun einmal Aasfresser. Das hat der liebe Herrgott so gemacht. Das ist ihre Bestimmung.“ Und siehe da, nach seinem beeindruckenden Auftritt solidarisierte sich die SPD-Landtagsfraktion mit den Vögeln und schmetterte den Krähen-Schießbefehl mit großer Mehrheit ab. Mal sehen, was beiden Fraktionen als Nächstes einfällt.

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