Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über schönes Stöhnen und leises Summen

Thorsten Metzner

Es scheint bereits gewisse Wirkung zu zeitigen, dass Landtagspräsident Gunter Frisch von den Parlamentskollegen jüngst mehr freie, lebendige Reden am Mikrofon forderte. Jedenfalls fiel auf, dass bei den letzten Landtagssitzungen weniger vom Blatt abgelesen wurde als sonst. Mit gutem Beispiel ging auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) voran, der das Land auf Optimismus trimmt und dafür nun einen neuen Aufbruchslogan prägte: Aus den Unternehmen im Land seien zwar hin und wieder noch Klagen zu hören – aber über zu volle Auftragsbücher oder Materialengpässe, befand Platzeck. „Das ist ein viel schöneres Stöhnen, als wir es früher gehört haben.“ Das gefiel augenscheinlich vielen im Saal, zumal manche die Anmerkung von PDS-Fraktionschefin Kerstin Kaiser hörten: „Schöner Stöhnen kann auch fruchtbar sein.“

Doch trotz des schönen Stöhnens – Brandenburg hat Nachwuchsprobleme – sogar bei Bienen. Ob sie wie die jungen Frauen abwandern, ist nicht genau bekannt. Weil die Bestände dramatisch zurückgehen, musste Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) im Plenum die brisante Frage beantworten: „Was tun Sie für die Bienen?“ Besonders erfreulich war es nicht, was der Minister kundtat. Zwar fördere sein Ministerium aus Lottomitteln die „Neuansiedlung von Imkern“. Aber ob das reicht, um die Bienenentvölkerung zu stoppen, scheint fraglich. „Die Bienenhaltung verzeichnete aufgrund der stark veränderten Rahmenbedingungen nach der politischen Wende 1989/1990 einen starken Rückgang.“ Für „Bestäubungsleistungen an Kultur- und Wildpflanzen“ gibt es deshalb nur noch 30 000 bis 35 000 Bienenvölker – was „einem Besatz von einem Bienenvolk je Quadratkilometer“ entspricht. Mindestens drei Völker je Quadratkilometer wären aber zur ausreichenden Bestäubung Brandenburgs nötig, sagte Woidke. Die jungen Frauen gehen, die Bienen auch, das Wasser wird knapp, die Wölfe kommen – wo das alles in Brandenburg noch hinführen soll …

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