Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner über geschlechtsneutrale Alleen und eine heimliche Hochzeit

Thorsten Metzner

Aus Brandenburgs Infrastrukturministerium kam jetzt eine Kabinettsvorlage zur „Entwicklung“ der bedrohten Alleen – allerdings mit einem echten Manko. In der üblichen Rubrik zu „Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und Männern“ heißt es: „Die Umsetzung der Alleenkonzeption ist geschlechterneutral.“ Dabei könnte man männliche Bäume („der“ Ahorn) und weibliche (all die Linden, Kastanien und Eichen) doch durchaus quotiert pflanzen. Merkwürdigerweise hat das Ministerium auch „keine Erkenntnisse“ über ein „unterschiedliches Mobilitätsverhalten von Frauen und Männern“ auf den Alleen, obwohl das Verhalten grundlegend anders ist: Sonst würden nicht mehr Männer als Frauen mit ihren Autos gegen die Bäume am Straßenrand fahren. Die für die Gleichstellung zuständige Gesundheitsministerin Dagmar Ziegler (SPD) ist in diesen Dingen hingegen vorbildlich und penibel. Um nichtrauchende Frauen auf gar keinen Fall zu diskriminieren, legt die Gesundheitsministerin bewusst kein „Nichtraucherschutz-Gesetz“ vor: „Es wird ein Nichtrauchendenschutz-Gesetz – an dem Namen haben wir lange getüftelt“, verkündete sie stolz.

Es fand offensichtlich breiten Anklang beim Publikum, als Bischof Wolfgang Huber beim Festgottesdienst zum 850-jährigen Landesjubiläum im Brandenburger Dom eine „Charme-Offensive“ der Männer im Land forderte. So solle gegen die Frauen-Flucht angegangen werden, und sogar beim Ausrichten von „Traumhochzeiten“ versprach er kirchlichen Beistand. Brandenburgs Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) konnte da vergnügt in sich hineinlächeln, weil es bei ihm nicht erst eines bischöflichen Anstoßes bedurft hatte. Er hat jetzt an Freunde, Bekannte und Wegbegleiter nämlich eine Einladung für seinen 65. Geburtstag im Oktober verschickt, und darin lüftet er eher beiläufig noch ein Geheimnis: Schon vor ein paar Wochen, Mitte Mai, hat Fritsch in Bad Schandau seine neue Liebe Christa-Maria Engst, eine Ärztin und SPD-Kommunalpolitikerin aus der Stadt Brandenburg, geheiratet. Das Schicksal, so verrät Fritsch in der Karte, schlägt manchmal ungewöhnliche Bahnen ein: „Vom Berliner Studentenkreis bis in die Ehe hat uns das Leben fast 40 Jahre Zeit gelassen.“

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