Der Tagesspiegel : UNTERM ADLER

Thorsten Metzner entdeckt ein Sommerloch im Internet

Thorsten Metzner

Es soll ja das Phänomen von den sich „selbst erfüllenden Prophezeiungen“ geben. Das sind Vorhersagen, die sich nur deshalb erfüllen, weil sie vorhergesagt wurden. Die Fraktion der Linken im Brandenburger Landtag hat jetzt etwas ähnlich Ominöses erfunden – nämlich die sich selbst aktualisierende Meldung. So kann man auf ihrer Internet-Homepage auf die Rubrik „Themen“ klicken. Dann erscheint zwar prompt die Ankündigung, dass man unter den folgenden Stichworten von A bis Z „Ausarbeitungen der PDS-Fraktion zu den zentralen Themen für das Land Brandenburg“ findet. Und: „Neben der Problemanalyse zeigen wir Ihnen unseren Lösungsweg auf.“ Nur, zu finden ist dann nichts mehr, kein Thema von A bis Z. Stattdessen blinkt unter der Überschrift „Baustelle“, dass alles „zurzeit“ überarbeitet werde. „Im Laufe der Sommerpause werden wir diese Seite mit aktuellen Inhalten füllen.“ Genau das stand vor einem Jahr im Sommer auch schon da – und stimmt jetzt wieder. Genial.

Brandenburgs CDU scheint eine echte Pechsträhne zu haben. Ob es damit zusammenhängt, dass sich die Lager um Parteichef Ulrich Junghanns und seinen Konkurrenten Sven Petke nach wie vor spinnefeind sind? Jedenfalls läuft es politisch nicht gerade rund. Als vor ein paar Tagen in der Potsdamer Gaststätte „Historische Mühle“ der Koalitionsausschuss zusammenkam, musste sich Junghanns beim Streit um die Kommunalverfassung fast auf der ganzen Linie der SPD beugen. Zu allem Übel grub die Zeitschrift „Cicero“ gleich noch einen Artikel von Junghanns aus seiner Zeit als DDR-Bauernpartei-Funktionär aus, in dem er – noch im Sommer 1989 – die Mauer lobte. Und der Landtagsfraktion geht es nicht besser: Man hatte dort gerade einen so schönen Antrag zur „Beruflichen Bildung“ kreiert, mit der Forderung an die Wirtschaft, dass auf dem Zeugnis der Gesellenprüfungen künftig auch die schulischen Noten vermerkt werden sollen. Aber ausgerechnet aus der Handwerkskammer Frankfurt (Oder), der politischen Heimat des Wirtschaftsministers, flatterte eine geharnischte Ablehnung ein – klassisches Eigentor.

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