Der Tagesspiegel : Urnenfelder für die Wälder Innenministerium prüft gesetzliche Neuregelung

MICHAEL MARA

Potsdam – Brandenburg will künftig Urnen-Bestattungen in speziell ausgewiesenen Wäldern zulassen. Das Innenministerium arbeite am Entwurf für ein neues Bestattungs-Gesetz, teilte Sprecherin Dorothee Stacke mit. Sie ließ offen, wann es in Kraft treten wird. Zunächst seien Kirchen und kommunale Spitzenverbände um Stellungnahmen gebeten worden. Zwar sei die nötige Änderung des Bestattungsgesetzes „rechtlich unproblematisch“, doch suche man vorher Konsens mit den Beteiligten.

Unterdessen hat die SPD die Landesregierung aufgefordert, bis zum Jahresende einen Gesetzentwurf vorzulegen. Er könnte 2006 in Kraft treten. Bei vielen Bürgern gebe es den Wunsch zur Urnenbestattung in Wäldern, sagte die innenpolitische Sprecherin Britta Stark. Dies dürfe nicht an „bürokratischen Hürden“ scheitern. Auch Berliner sollten die Möglichkeit bekommen, sich in dafür freigegebenen märkischen Wäldern bestatten zu lassen.

CDU-Fraktionschef Thomas Lunacek bestätigte, dass es Anfragen von Kommunen gebe. Die CDU sei dafür offen, doch müsse „die Würde der Bestattungen erhalten bleiben“, so Lunacek. Der Städte- und Gemeindebund kündigte unterdessen eine Befragung seiner Mitglieder an. Einen großen Bedarf im Land sehe man aber nicht.Die Evangelische Kirche steht den Plänen eher skeptisch gegenüber. Hintergrund ist auch die Sorge einer Zunahme anonymer Bestattungen und ein wachsendes Desinteresse an Friedhöfen.

Mehrere Bundesländer haben Urnenbestattungen in Wäldern bereits erlaubt, darunter Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen, Baden-Würtemberg. Andere wie Sachsen-Anhalt bereiten Regelungen über alternative Bestattungen vor. Das Konzept für eine Bestattung unter Bäumen kommt aus der Schweiz. Inzwischen gibt es in Deutschland zehn so genannte Friedwälder, die von einer privaten GmbH in Darmstadt betrieben werden. Sie verpachtet Bäume auf 99 Jahre für Bestattungen. In Brandenburg haben sich neben dieser GmbH auch andere Betreiber beworben.

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